What the food?

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What the food? Patrick Ehrenberger / 14. August 2024 / Allgemein In diesem Bolgbeitrag widme ich mich einer heiß diskutierten Angelegenheit: der Ernährung! Es gibt wohl wenige Bereiche in unserem Leben, die uns alle betreffen und in denen es mehr Diskussionen, Mythen und selbsternannte Expert*innen gibt. Jede*r, der oder die mal eine Netflix-Dokumentation gesehen hat, ist plötzlich Ernährungsexpert*in. Es gibt kaum Themen, die so emotional aufgeladen sind – naja, vielleicht abgesehen davon, ob man ein violettes oder grün-weißes Trikot trägt. Aber mal ehrlich: Ernährungsformen gibt es wie Fahrräder in Amsterdam. Heutzutage hat jede Ernährungsweise ihren eigenen Namen: sei es Paleo, Keto, Whole30, DASH-Diät, Low-FODMAP, Low Carb, High Carb, Carnivore und so weiter. Dann kommen natürlich noch die vegetarischen oder veganen Varianten dazu. Eine „Vegan-Carnivore-Diät“? Oh, Moment, das wird schwierig. Ich werde jetzt nicht erklären, was hinter diesen Diäten steckt – das kannst du googeln, und ehrlich gesagt halte ich die meisten davon für schwachsinnig. Wobei das so auch nicht stimmt. Keto ist zum Beispiel spannend bei Epilepsie und anderen neurologischen Erkrankungen. Low Carb kann helfen, entgleiste Blutzuckerspiegel wieder einzufangen. Die FODMAP-Diät ist interessant für Menschen mit Unverträglichkeiten. Also haben diese Diäten durchaus ihre Berechtigung, aber eben für bestimmte Patient*innengruppen und nicht für die allgemeine Bevölkerung. Wenn du krank bist und gesund werden willst, dann macht eine strengere Diät oder besser eine Ernährungsumstellung durchaus Sinn. Doch wenn du gesund bist, verkompliziere es nicht zu sehr. Es ist faszinierend zu beobachten, wie Essen quasi zur Religion wird und dann mit der Leidenschaft eines jungen Gospelpredigers versucht wird, andere von der „einzig wahren“ Diät zu überzeugen. Wissenschaft wird dabei oft komplett ignoriert, stattdessen werden Anekdoten erzählt und von Wundern berichtet. Oh, das kommt uns doch von echten Religionen bekannt vor, oder? Ich weiß, wovon ich rede, denn ich war selbst so ein missionarischer Prediger. Mit einer fast schon unheimlichen Begeisterung habe ich die Paleo-Diät gepredigt, bis es nicht mehr feierlich war. Dann kam meine kPNI-Ausbildung, und plötzlich war rotes Fleisch die Wurzel allen Übels – neben Getreide, Zucker und Hülsenfrüchten, versteht sich. Ich habe mit meinen Vorträgen über Ernährung so manche Freundschaft auf die Probe gestellt, denn ich habe meinen Rat erteilt – ob jemand wollte oder nicht. Ich hoffe, ich bin inzwischen ein Stück vom sogenannten Mount Stupid heruntergeklettert und nicht mehr ganz so missionarisch unterwegs. Ich beiße mir oft auf die Lippe, wenn es um dieses Thema geht, und versuche, nichts zu sagen. Das gelingt mir allerdings nicht immer. Hin und wieder kommt es dann doch vor, dass ich nach meiner Meinung zur Ernährung gefragt werde, und dann bin ich natürlich gern bereit, einen Monolog von 4-5 Stunden zu halten. Was wären also die Schlagworte einer „guten“ Ernährung? Ja, ausgewogen sollte sie sein. Wenn ich das höre, wird mir allerdings schon schlecht. Denn wenn ich dann nachfrage, wie eine solche „ausgewogene“ Ernährung aussieht, herrscht meist Schweigen. Für den durchschnittlichen Österreicher oder die durchschnittliche Österreicherin sieht das dann oft so aus: Morgens eine Semmel mit Schinken – aber nicht jeden Tag, manchmal gibt es auch Brot mit Wurst, und am Wochenende vielleicht sogar ein Ei, aber bloß nicht mehr wegen des bösen Cholesterins. Mittags gibt es Nudeln, aber immer andere Sorten: mal Spaghetti, mal Bandnudeln und wechselnden Saucen. Abends ein Schnitzel oder einen Schweinsbraten – aber es gibt ja eh einen Mayonnaisesalat dazu, und Salat ist schließlich gesund. Am Wochenende fühlen wir uns dann international und bestellen eine Pizza – mediterrane Kost soll ja gut fürs Herz sein. Ich weiß, das ist etwas überspitzt, und ich bin mir sicher, dass viele, die diesen Blog lesen, weit davon entfernt sind. Aber wenn wir mal aus unserer Bubble herausblicken, ist das oben beschriebene Szenario vielleicht gar nicht so weit entfernt. Jetzt aber mal ernsthaft: Was ist die Basis für eine gute Ernährung? Für mich gibt es da eine ganz klare Antwort: Bewegung und Sport! Ich bin überzeugt, dass die Ergebnisse vieler Ernährungsstudien ganz anders aussehen würden, wenn Sport mit einbezogen würde. Soll heißen: Bewegst du dich genug, kannst du dir auch den einen oder anderen Fehltritt mehr erlauben. Bei Leistungssportler*innen sieht das dann wieder anders aus – die wollen aber nahe an ihrem genetischen Maximum performen. Jetzt aber wirklich zum Essen! Vorweg noch: Das perfekte Lebensmittel gibt es wohl nicht. Und es gibt auch kein Lebensmittel, das ausschließlich schlecht ist. Ich versuche, Lebensmittel immer auf die Waagschale zu legen und zu schauen, ob die positiven oder negativen Eigenschaften überwiegen. Gibt es Punkte, bei denen wir uns alle einig sind, was gesund ist? Obst und Gemüse? Meiner Meinung nach ja – iss so viel du willst davon, aber trink es nicht. Keto- und FODMAP-Anhänger*innen würden hier wahrscheinlich widersprechen. Das sollte dich jedoch nicht davon abhalten, ausreichend Pflanzen zu essen. Bei Kräutern sind sich übrigens wohl alle einig – zumindest habe ich noch nie jemanden etwas dagegen sagen hören. Meiner Meinung nach gehören Eier, Fisch, Meeresfrüchte, Geflügel, Wild, Fleisch und Innereien ganz klar zu einer artgerechten Ernährung. Diese sollten aber aus bestmöglicher Qualität stammen. Das steht natürlich im Widerspruch zu einer veganen Ernährung. Ich diskutiere auch nicht mit Veganer*innen, wenn sie mir erzählen, dass sie so essen wegen des Tierwohls. Was wir mit den Tieren, vor allem in der Massentierhaltung, aufführen, ist einfach nur grausam. Doch wenn mir jemand erzählt, es sei gesünder, sich vegan zu ernähren, kann ich meist nicht meinen Mund halten. Wir haben nicht den Magen oder Darm eines Pflanzenfressers. Wir haben auch eine ganz andere Enzymproduktion als Herbivoren. Außerdem haben tierische Produkte in manchen Bereichen einfach die Nase vorn: Proteine, Omega-3-Fettsäuren, Zink, Kreatin, B-Vitamine, Q10, Retinol (echtes Vitamin A), Eisen, Kollagen, um nur ein paar zu nennen. Natürlich haben Pflanzen auch in einigen Bereichen die Nase vorn, zum Beispiel bei Magnesium, sekundären Pflanzenstoffen, Ballaststoffen, Kupfer, Vitamin C und Vitamin E. Ich will damit sagen: Wir brauchen beides und haben wohl auch immer beides gegessen. Natürlich kann ich viele dieser Nährstoffe auch als Supplemente zu mir nehmen. Dazu rate ich übrigens nicht nur meinen veganen Patient*innen. Ich selbst nehme auch täglich Nahrungsergänzungsmittel, aber

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