Kaffee: Wundermittel oder taeglicher Energieraeuber?

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Kaffee: Wundermittel oder taeglicher Energieraeuber? Patrick Ehrenberger / 11. März 2025 / Allgemein Kannst du dich noch an deinen ersten Kaffee erinnern? Hat er dir geschmeckt? Wahrscheinlich nicht besonders. Und trotzdem trinkst du ihn heute wahrscheinlich regelmäßig. Es gibt Dinge, die gehören einfach zum Leben dazu: Die Sonne geht auf, die Bahn kommt zu spät, und der erste Kaffee am Morgen rettet den Tag – oder? Jeder kennt diesen einen Freund, der ohne seinen Morgenkaffee nicht ansprechbar ist. Oder dieses verzweifelte „Ich brauch jetzt einen Kaffee!“, wenn das Nachmittagsloch zuschlägt. Die Frage ist: Tut uns Kaffee wirklich so gut, oder sind wir alle Teil eines weltweiten Experiments, das niemand so richtig hinterfragt? Bevor wir richtig einsteigen, lass mich noch eine kleine Geschichte aus meiner Kaffee-Vergangenheit erzählen. Mein Selbstexperiment: 8 Wochen ohne Kaffee | und was dann passierte Ich war lange Zeit ein klassischer Viel-Kaffeetrinker. Mein Tag begann mit einem doppelten Espresso, in der Arbeit folgte der nächste, zwischendurch nochmal zwei schnelle Espressi, und wenn am Nachmittag die Sonne schön schien, gab es vielleicht noch einen Kaffee mit Eiswürfeln. Alles ganz normal – dachte ich zumindest. Dann stieß ich auf diesen Artikel, der mich zum Nachdenken brachte. Die Botschaft war simpel: „Probier doch mal vier bis acht Wochen ohne Kaffee aus und schau, was passiert.“ Das klang nach einer spannenden Herausforderung, also legte ich los. Ich muss sagen, es war leichter als gedacht – ein klassischer Koffeinentzug blieb mir erspart. Nach etwa zwei Wochen passierte dann etwas Erstaunliches. Ich wachte morgens auf und war sofort da. Kein Trägheitsgefühl, kein stundenlanges Hochfahren. Wer mich kennt, weiß: Das war nicht immer so. Ich habe früher bis Mittag gebraucht, um wirklich wach zu sein. Plötzlich hatte ich den ganzen Tag über konstante Energie, ohne das typische Nachmittagsloch, das mich vorher regelmäßig erwischt hatte. Auch mein Schlaf verbesserte sich enorm. Früher lag ich oft abends wach, gedanklich noch im Tag verhaftet. Ohne Kaffee schlief ich schneller ein und wachte erholter auf. Das war der Moment, in dem ich realisierte: Kaffee hatte mich jahrelang nicht nur wach gehalten – er hatte mich auch ausgelaugt. Nach eineinhalb Jahren fast ohne Kaffee trinke ich ihn jetzt wieder, aber ganz bewusst. Ich verwende ihn gezielt, wenn ich ihn brauche – zum Beispiel für eine intensive Arbeitsphase oder ein hartes Training. Aber er ist kein tägliches Ritual mehr, keine Krücke, auf die ich mich verlassen muss. Was ich aus diesem Experiment gelernt habe? Kaffee ist mächtig, aber er ist kein Grundnahrungsmittel. Wer das Gefühl hat, ohne Kaffee nicht zu funktionieren, sollte sich vielleicht genau das mal hinterfragen. Ich kann es nur empfehlen: Einfach mal ein paar Wochen darauf verzichten und schauen, was passiert. Vielleicht bist du danach genauso überrascht wie ich. Nun aber rein ins Thema! Wie viel Kaffee trinken wir? Zahlen und Fakten Kaffee ist nach Erdöl der zweitmeistgehandelte Rohstoff der Welt. Weltweit werden jährlich über 10 Milliarden Kilogramm Kaffee produziert. Und in Österreich? Drei Tassen pro Kopf am Tag – das sind über 1000 Tassen im Jahr. Der durchschnittliche Österreicher gibt etwa 250 Euro pro Jahr für Kaffee aus. Kaffee ist nach Wasser das meistgetrunkene Getränk in Österreich. Ja, ich war auch überrascht, dass es nicht Bier ist. Aber warum trinken wir eigentlich Kaffee? Die Biochemie hinter Kaffee – The good, the bad and the ugly Fangen wir mal positiv an. Die positiven Effekte von Kaffee – mehr als nur ein Wachmacher Trotz aller Kritikpunkte gibt es gute Gründe, warum Kaffee so beliebt ist – und das nicht nur wegen der Gewohnheit. Kaffee hat einige wissenschaftlich belegte positive Effekte, wenn er in der richtigen Dosis konsumiert wird. Einer der bekanntesten Vorteile ist die kurzfristige Steigerung der mentalen Leistungsfähigkeit. Koffein verbessert die Wachsamkeit, fördert die Konzentration und kann das Reaktionsvermögen erhöhen. Wer eine wichtige Aufgabe vor sich hat, kann mit einer Tasse Kaffee oft fokussierter arbeiten. Auch auf die körperliche Leistungsfähigkeit hat Kaffee positive Auswirkungen. Er steigert die Produktion von Adrenalin, wodurch der Körper mehr Energie mobilisiert. Das führt dazu, dass Sportler nach der Einnahme von Koffein oft länger durchhalten und mehr Leistung abrufen können. Ein weiterer spannender Punkt ist der Einfluss auf Neurodegeneration. Studien zeigen, dass regelmäßiger Kaffeekonsum mit einem geringeren Risiko für Alzheimer und Parkinson in Verbindung gebracht wird. Die enthaltenen Polyphenole und Antioxidantien haben eine schützende Wirkung auf die Nervenzellen und können helfen, Entzündungen im Gehirn zu reduzieren. Kaffee kann auch eine schutzende Wirkung auf die Leber haben. Besonders Menschen, die zu Fettleber oder Lebererkrankungen neigen, könnten von moderatem Kaffeekonsum profitieren, da Kaffee bestimmte Enzyme aktiviert, die die Leberfunktion verbessern. Auch das viel diskutierte Thema Diabetesrisiko verdient Aufmerksamkeit. Während Kaffee kurzfristig die Insulinsensitivität senken kann, zeigen Langzeitstudien, dass regelmäßiger Kaffeekonsum mit einem geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes einhergeht. Vermutlich liegt das an den enthaltenen Antioxidantien, die entzündungshemmend wirken und den Zuckerstoffwechsel positiv beeinflussen. Ein weiterer positiver Punkt ist die Aktivierung des Nrf2-Systems. Nrf2 ist ein zellulärer Schutzmechanismus, der die Bildung von Antioxidantien und Entgiftungsenzymen ankurbelt. Kaffee aktiviert diesen Mechanismus ähnlich wie andere Hormesis-Reize – also leichte Stressoren wie Kälte, Hitze oder Fasten. In moderaten Mengen könnte Kaffee also eine mild schützende Wirkung auf den Körper haben. Zusammengefasst: Kaffee hat durchaus Vorteile, aber die Dosis macht das Gift. Wer ihn bewusst einsetzt – etwa vor dem Sport, in stressigen Arbeitsphasen oder als gezielten Performance-Booster – kann die positiven Effekte nutzen, ohne die negativen Konsequenzen in Kauf zu nehmen. Nun aber zur dunklen Seite. Einige der oben genannten Argumente kann man auch schnell mal umdrehen.   Kaffee blockiert Müdigkeit – aber auf Umwegen Adenosin ist ein kleines Molekül, das sich im Gehirn ansammelt, je länger wir wach sind. Wenn der Pegel hoch genug ist, signalisiert unser Körper: „Zeit für eine Pause!“ Kaffee tritt auf die Bühne und blockiert die Adenosin-Rezeptoren. Das bedeutet, dass unser Gehirn die Müdigkeitssignale nicht mehr wahrnimmt – wir fühlen uns plötzlich wacher und fokussierter. Doch der Körper ist schlauer als wir. Wenn wir ständig Kaffee trinken, fängt er an, mehr Adenosin-Rezeptoren zu bilden. Das Ergebnis? Ohne Kaffee sind wir müder als vorher. Das erklärt,

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