Der Dunning-Kruger-Effekt

Grafik des Dunning Kruger Effekts

Der Dunning-Kruger-Effekt Patrick Ehrenberger / 19. November 2025 / Allgemein Nach meiner kPNI-Ausbildung dachte ich ernsthaft, ich hab das Spiel durchgespielt. Ich war überzeugt, alles zu wissen. Ich stand ganz oben auf Mount Stupid. Der Begriff kommt vom Dunning-Kruger-Effekt. Zwei Psychologen – David Dunning und Justin Kruger haben untersucht, wie Menschen ihr eigenes Wissen einschätzen. Das Ergebnis: Die, die am wenigsten wissen, sind oft am überzeugtesten. Und je mehr du wirklich lernst, desto bewusster wird dir, wie wenig du weißt. Warum Idioten oft so ueberzeugt von sich sind? Am Anfang lernst du ein bisschen, verstehst ein paar Zusammenhänge – und plötzlich denkst du, du bist allwissend. Du erzählst jedem, wie’s läuft, und hast das Gefühl, du hast das Universum durchschaut. In Wirklichkeit kratzt du gerade erst an der Oberfläche. Das ist der Aufstieg auf Mount Stupid. Die Aussicht ist dort oben traumhaft – weil du bequem auf all die „Nichtwissenden“ hinunterschauen kannst. Reflexion und kritisches Denken sind oben übrigens ausverkauft. Dann kommt der unvermeidbare Absturz ins Tal der Verzweiflung. Du begreifst, wie komplex alles wirklich ist, und zweifelst plötzlich an allem. Paradoxerweise weißt du in dieser Phase mehr als je zuvor, aber dein Selbstvertrauen ist im Keller. Bleibst du dran, lernst Demut, und landest irgendwann auf dem Plateau der nachhaltigen Erkenntnis. Dort wird’s ruhiger. Du kannst einfach sagen: „Ich weiß es nicht.“ Warum reagieren wir eigentlich so positiv auf Bullshit? Wir Menschen sind nicht auf Wissen programmiert, sondern auf Sicherheit. Sicherheit heißt: einfache Antworten, klare Schuldige, schnelle Lösungen. Komplexität macht Angst – und Angst sucht Halt. Wenn uns jemand eine simple Geschichte liefert („So ist es und nicht anders“), greift unser Gehirn sofort zu. Social Media verstärkt das massiv: Kurze Clips, große Behauptungen, keine Einordnung. Halbwissen wird gefeiert, echte Expertise ist zu langsam für den Algorithmus. Mount Stupid ist leicht erreichbar. Echte Kompetenz ist mühsam, manchmal langweilig und selten sexy. Darum rennen so viele freiwillig den schnellen Weg rauf – und haben keine Ahnung, wie weit sie von echter Expertise entfernt sind. Woran du Bullshit erkennst Wenn ein Video beginnt mit  „Dein Arzt will nicht, dass du das weißt“ oder„Arzt packt aus: Die Wahrheit über XY“ ,dann kannst du dir den Rest eigentlich sparen. Das ist zu 99 % Geschwurbel, Clickbait und Supplement-Werbung. Und ganz ehrlich: Wenn dir jemand weismachen will, dass nur diese eine Person, diese eine Gruppe oder diese eine Ausbildung eine exklusive Wahrheit kennt, dann kannst du zu ziemlich sicher davon ausgehen, dass genau das Gegenteil stimmt. Und ja – ein akademischer Titel schützt nicht vor Blödsinn. Es gibt genug Ärztinnen oder Professorinnen, die wissenschaftlich komplett danebenliegen. Und genauso gibt’s Menschen ohne Studium, die extrem gutes Wissen teilen, weil sie sich reingraben und kritisch bleiben. Das soll kein Bashing gegen eine Profession sein – es soll lediglich das Argument untermauern, selbst nachzudenkenund Quellen zu checken. Das Internet ist Fluch und Segen gleichzeitig: Noch nie war Wissen so leicht zugänglich und noch nie war kritisches Denken so selten. Anti-Mount-Stupid-Strategie Wenn du heute irgendetwas wirklich verstehen willst, brauchst du im Grunde nur vier Dinge: Demut– akzeptiere, dass du wenig weißt. Das ist kein Mangel, das ist der Startpunkt. Geduld & Aufmerksamkeitsspanne– echte Kompetenz braucht Zeit. Konsumieren ist nicht Lernen. Gute Quellen + Menschen, die dir widersprechen– Meta-Analysen, RCTs, Diskussionen, Gegenargumente. Nicht nur ein Influencer. Reflexion & Anwendung– Wissen ist wertlos, wenn du es nicht prüfst, hinterfragst und in die Praxis bringst. Das ist die Anti-Mount-Stupid-Route.Langsam, mühsam, aber nachhaltig. Mein Beispiel: Wenn du glaubst, du hast es verstanden hast du es wahrscheinlich nicht verstanden. Konkretes Beispiel von mir zum Thema Ernährung: Früher hab ich Patientinnen, Freundinnen, Kolleg*innen und halben Fremden auf der Straße stundenlang vorgepredigt, was alles „schlecht“ ist: Gluten, Milch, Zucker, Lektine, Omega-6, was auch immer gerade Trend war. Ich habe mit Begriffen um mich geworfen wie Dipeptidylpeptidase-4, Delta-6-Desaturase oder 5-Lipoxygenase einfach, um klug zu wirken. Ich hätte genauso gut vom „mitochondrialen Ninja-Pathway“ reden können, es wäre bei den Leuten genau gleich angekommen. Heute muss ich drüber lachen. Wenn du mich jetzt fragst, was bei Ernähung wirklich zählt, sag ich: Schau auf deine Proteine (1,5–1,8 g pro kg Körpergewicht). Iss genug Ballaststoffe (ca. 35 g pro Tag). Halte deine Kalorien im Griff. Das ist simpel. So simpel, dass es fast enttäuschend ist. Aber die großen Hebel sind selten kompliziert. Natürlich gibt’s individuelle Unterschiede. Natürlich spielen Mikronährstoffe, Schlaf, Stress, Hormone, Psyche usw. eine Rolle. Aber die Basics bleiben die Basics. Und ja: In fünf Jahren werde ich wieder etwas dazugelernt haben und manches anders sehen. Das ist kein Rückschritt. Das ist Wachstum! Der wichtigste Satz! „Ich weiß es nicht“ ist einer der mächtigsten Sätze, die ein Mensch sagen kann. Nicht, weil er Schwäche zeigt, sondern weil er Türen öffnet. „Ich weiß es“ verschließt sie. Die meisten Diskussionen scheitern nicht an Unwissen, sondern daran, dass alle ihr Ego steuern lassen statt ihr Hirn. Wenn wir öfter sagen würden „Keine Ahnung, lass uns nachschauen“,wären wir alle weiter. Und deutlich weniger oft auf Mount Stupid. Und genau hier passt ein Satz von Adam Grant, mit dem ich oft meine Seminare eröffne. Er bringt’s perfekt auf den Punkt: „Das am meisten unterschätzte Instrument der Überzeugung ist Neugier. Eine natürliche Reaktion auf Meinungsverschiedenheiten besteht darin, die Meinung anderer anzugreifen. Eine einladendere Alternative besteht darin, sich wirklich von ihrer Denkweise faszinieren zu lassen. Neugier ist ansteckend. Wenn Verteidigung den Geist verschließt, kann Nachforschung ihn öffnen.“ Das ist im Grunde die Anti-Mount-Stupid-Haltung in einem Satz. Nicht verschanzen, nicht verteidigen, nicht besser wissen wollen:einfach neugierig bleiben. PS: Wenn du mit mir auf den nächsten Gipfel willst – sag vorher Bescheid. Ich hab mein Zelt noch vom letzten Mal oben stehen. Post Tags : Dunning Kruger Effekt , Gesundheit Share : Team FAQs Kontakt Blog Facebook-f Icon-instagram-1 Linkedin Copyright © 2025 Humanimal Datenschutzerklärung Impressum

Moshpit, Mitgefuehl und Molekuele

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Moshpit, Mitgefuehl und Molekuele Patrick Ehrenberger / 14. Juli 2025 / Allgemein Dieser Blogpost dreht sich um ein Thema, das auf den ersten Blick nicht viel mit den Dingen zu tun hat, über die wir uns hier sonst Gedanken machen. Doch auf den zweiten Blick passt es fast besser zu uns als alles andere:Es geht um Musik. Die Idee für diesen Artikel entstand mitten im Staub, Schweiß und Bass – auf dem Nova Rock Festival, mit zigtausenden Menschen um mich herum. Ich hab bei Linkin Park mitgegrölt, bin durch den Circle Pit bei Heaven Shall Burn gelaufen, hab zu Electric Callboy getanzt – kurz gesagt: Ich wurde mal wieder von der Wucht und Energie von Live-Musik überrollt. Wer mich kennt, weiß: Ich war, bin und werde hoffentlich für immer auf Konzerten und Festivals unterwegs sein. Mein Musikgeschmack ist dabei nicht immer massentauglich – ich bin stark im Metal-Genre zuhause. Und ja, da kann’s schon mal härter zugehen. Für Außenstehende wirkt es vielleicht etwas verstörend, wenn sich Menschen in einem Moshpit zu brachialen Klängen gegenseitig halb verprügeln. Aber ich kann aus jahrelanger Erfahrung sagen:Wir Metalheads sind ein verdammt friedliches Volk. Oder wie August Burns Red so schön gesagt haben: “Angry music for happy people.” Auch in meinem Freundeskreis spielt Musik eine zentrale Rolle. Manche von uns sind schon seit über 20 Jahren gemeinsam auf Konzerten. Das schweißt zusammen. Wir haben uns nicht nur mit der Musik identifiziert, sondern mit allem, was sie verkörpert. Wir sahen anders aus, hatten andere Frisuren, andere Haarfarben (ich hatte übrigens alle). Aber auf Konzerten waren wir unter Gleichgesinnten – und da war sofort diese Verbundenheit. “We are the diamonds that choose to stay coal… Forever the underdogs.” – Parkway Drive Und das ist das Schöne im Metal (und sicher auch in vielen anderen Genres): Es ist völlig egal, wo du herkommst, wie du aussiehst oder wen du liebst – in der Musik waren wir immer vereint. Und wir werden es bleiben. Ich borge mir hier gerne die Worte von Judas Priest-Frontmann Rob Halford aus:   “I’m the gay guy in the band… You see, that is what heavy metal is all about. We call ourselves the heavy metal community, which is all-inclusive, no matter what your sexual identity is, what you look like, the colour of your skin, the faith that you believe or don’t believe in. Everybody’s welcome.“ Auch mit meiner Frau teile ich einen ziemlich ähnlichen Musikgeschmack. Wir waren gemeinsam schon auf unzähligen Konzerten – und das hat uns im Laufe unserer Beziehung immer wieder näher zusammengebracht. Okay, vielleicht bin ich inzwischen musikalisch etwas härter unterwegs als sie. Aber es gibt noch genug Bands, zu denen wir liebend gern gemeinsam gehen. Ich bin ja schließlich nicht ausschließlich im Metal zuhause. Und solange ich sie nicht zu Lorna Shore zwinge, ist eigentlich alles gut. Musik hat also nicht nur meine Beziehung geprägt, sondern begleitet mich schon mein ganzes Leben lang – von klein auf. Dank meinem Vater bin ich früh mit Rock in Berührung gekommen. Mein erstes großes Konzert waren die Rolling Stones – mit 13. Ich bin ihm auch heute noch dankbar, dass er mir diese Musik richtig nähergebracht hat. Oasis, Manchester 2025 Die erste Idee für diesen Artikel kam zwar am Nova Rock – aber die konkreten Gedanken haben sich erst ein paar Wochen später bei Oasis in Manchester so richtig geformt.(Wofür ich übrigens meinem Bruder sehr dankbar bin – er hat die Karten organisiert.) Was ich dort erlebt habe, war… anders. Und ich meine gar nicht das Konzert an sich – das war großartig und hat mich endgültig zum Oasis-Fan gemacht. Ich meine das Drumherum: Die ganze Stadt war im Oasis-Fieber. Jedes Pub, jeder Supermarkt, jede zweite Person mit Shirt oder Bucket Hat – als wäre Manchester selbst ein Bandmitglied. Man hat sich einfach als Teil von etwas Größerem gefühlt. Und das… weil zwei alte weiße Männer, die sich die letzten 16 Jahren gegenseitig nicht mal „Happy Birthday“ geschrieben haben, zumindest nicht ohne Anwalt, sich jetzt wieder vertragen. “I need to be myself, I can’t be no one else.” – Oasis Wie komme ich jetzt eigentlich dazu, einen Artikel ueber Musik zu schreiben? Singen kann ich – vor allem laut und falsch. Ich habe öfter mit dem Gitarrespielen aufgehört als angefangen. Und wenn ich tanze, sieht es aus, als hätte mir jemand einen Elektroschocker umgehängt – und drückt absichtlich nicht im Takt. Was ich kann, ist Dinge verbinden. Und mir Fragen stellen. Zum Beispiel: Warum hat jede Kultur auf der Welt Musik? Warum zieht uns Live-Musik so dermaßen in ihren Bann, dass wir Dixi-Klos, Sonnenstich und überteuertes Bier klaglos hinnehmen? Und was passiert da eigentlich wirklich in uns, wenn wir Musik hören oder machen? Ich weiß – ganz schön lange Einleitung. Aber hey, vielleicht hab ich’s geschafft, schon eine Emotion in dir auszulösen. Dann bin ich genau richtig unterwegs. „Music the great communicator – use two sticks to make it in the nature.” – Red Hot Chili Peppers Musik ist kein Luxus, sondern Ueberlebensstrategie Musik ist kein “Nice-to-have” der Zivilisation – sie ist tief in unserer evolutionären DNA verwurzelt. Lange bevor wir schreiben oder rechnen konnten, haben wir gesungen, getrommelt, getanzt. Warum? Weil Musik mehr war als Unterhaltung. Sie war Überlebensstrategie, Bindemittel, Bioregulator und soziales Signal in einem Musik formt Gemeinschaft und Gemeinschaft sichert das Ueberleben In frühen Jäger-und-Sammler-Gruppen war Koordination essenziell: beim Jagen, beim Feiern, beim Verteidigen. Gemeinsames Singen oder Trommeln war kein nettes Freizeitprogramm – es war ein Werkzeug zur Synchronisation. Musik regelte Rituale, half bei Trauer, gab Mut oder feierte das Leben. Musik war (und ist) ein soziales Neurohacking-Tool. Parkway Drive, Stadthalle Wien, 2022 Was passiert jetzt physiologisch, wenn wir Musik hoeren oder machen? Musik ist Biochemie pur – aber eben nicht trocken, sondern ziemlich geil.   Dopamin – Belohnung & Motivation Wenn du beim Refrain Gänsehaut bekommst oder auf den Drop wartest und er dann endlich kommt – zack, Dopamin-Schub. Musik aktiviert unser Belohnungssystem (v. a. den Nucleus accumbens) genau wie gutes Essen, Sex oder ein Insta-Like – nur

Schmerz ist ein Output kein Input

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Schmerz ist ein Output kein Input Patrick Ehrenberger / 9. April 2025 / Allgemein Stell dir vor, du kommst zum Physiotherapeuten mit Rückenschmerzen. Beim letzten Mal lief alles gut, es wurde besser, Bewegung war möglich. Dann machst du ein MRT, der Arzt schaut dich mit ernster Miene an und sagt: „Sie haben einen Bandscheibenvorfall.“ Plötzlich kannst du nicht mehr gerade stehen. Deine Schmerzen sind schlimmer als je zuvor, du gehst krumm und hältst dich am Türrahmen fest. Doch Moment mal – was ist eigentlich wirklich passiert? Die Diagnose hat nichts an deinem Rücken verändert. Kein Nerv wurde plötzlich gequetscht, keine Bandscheibe ist über Nacht weiter herausgerutscht. Der einzige Unterschied ist, dass dein Gehirn jetzt eine neue Geschichte über deinen Körper erzählt. Eine, die sagt: „Kaputt!“ – und auf einmal tut es wirklich weh. Genau da fängt das eigentliche Problem an. Schmerz ist nicht einfach ein Signal aus dem Körper, sondern das Ergebnis einer komplexen Berechnung deines Gehirns. Und manchmal macht dein Hirn ein paar Rechenfehler. Also lass uns eintauchen in das, was Schmerz wirklich ist – eine hochkomplexe Simulation des Gehirns, die viel mehr mit Erwartung, Erfahrung und Emotionen zu tun hat, als du denkst. Lange dachten wir, Schmerz sei einfach ein Alarmsystem. Du haust dir den Zeh an, das Signal wird über die Nervenbahnen ans Gehirn geschickt, dort kommt es an, und BÄM – Schmerz. Aber dann kamen Neurowissenschaftler wie Ronald Melzack, Lorimer Moseley und Eric Cobb und sagten: „Nein, nein, das ist viel zu simpel.“ Denn in Wahrheit funktioniert Schmerz nicht wie eine Glocke, die bei Verletzungen automatisch losgeht, sondern wie eine Vorhersage des Gehirns darüber, ob du dich schützen solltest oder nicht. Nozizeption vs. Schmerz | der grosse Unterschied Dein Körper hat Nozizeptoren – Nervenendigungen, die auf gefährliche Reize reagieren (Hitze, Druck, Säure etc.). Diese Nozizeptoren senden Gefahrensignale ans Gehirn – aber das ist nicht gleichbedeutend mit Schmerz. Erst das Gehirn entscheidet, ob diese Signale wichtig genug sind, um Schmerz zu erzeugen. Das erklärt, warum du dich in einer Extremsituation verletzen kannst, aber nichts merkst, bis der Stress nachlässt. Oder warum manche Menschen massive Verletzungen haben und trotzdem kaum Schmerzen spüren – während andere eine vermeindliche Kleinigkeit haben und sich vor Schmerzen winden. Die Schmerzmatrix | dein Gehirn entscheidet, wann du leidest Und hier kommt die große Erkenntnis: Es gibt kein einzelnes Schmerzzentrum im Gehirn. Stattdessen gibt es ein riesiges Netzwerk von Hirnarealen, das Ronald Melzack die Neuromatrix nennt. Diese Matrix besteht aus mehreren Teilen, die Schmerz gemeinsam erzeugen: 1️⃣ Somatosensorischer Kortex – Wo tut es weh? 2️⃣ Limbisches System – Wie schlimm fühlt es sich emotional an? 3️⃣ Präfrontaler Kortex – Sollte ich mir Sorgen machen? Das bedeutet: Schmerz ist eine hochgradig individuelle Simulation deines Gehirns. Hast du schlechte Laune, bist gestresst oder hast Angst, dann bewertet dein Gehirn das Nozizeptor-Signal viel bedrohlicher, und der Schmerz steigt. Bist du hingegen abgelenkt oder gut gelaunt, wird der Schmerz schwächer oder verschwindet sogar ganz. Deshalb funktionieren auch Placebo-Effekte – wenn du glaubst, dass eine Pille hilft, senkt dein Gehirn das Schmerzsignal einfach ab. Und genau deshalb kann Schmerz auch existieren, wenn es gar keine strukturelle Ursache gibt (z. B. Phantomschmerzen nach einer Amputation). Lorimer Moseley: Dein Schmerz ist ein Fehlalarm Der australische Schmerzforscher Lorimer Moseley beschreibt Schmerz als einen überempfindlichen Rauchmelder. Stell dir vor, dein Rauchmelder schlägt Alarm, sobald du eine Kerze anzündest. Oder noch schlimmer: Er bleibt an, obwohl das Feuer längst gelöscht ist. Genau das passiert bei chronischen Schmerzen: Dein Gehirn hat gelernt, viel zu früh Alarm zu schlagen – selbst wenn keine akute Gefahr mehr besteht. Warum ist das so? Unser Gehirn ist formbar – es passt sich ständig an. Diese Fähigkeit nennt man Neuroplastizität. Sie ist grundsätzlich etwas Gutes, doch bei chronischem Schmerz wird sie zum Problem: Das Gehirn „lernt“ den Schmerz und verstärkt die entsprechenden Netzwerke immer weiter. Je länger das dauert, desto schneller und intensiver schlägt der Alarm – auch ohne körperliche Ursache. Bewegungsvermeidung, ständiges Grübeln oder Angst vor dem Schmerz geben dem Gehirn dann nur noch mehr Gründe, im Alarmmodus zu bleiben. Die gute Nachricht: Was das Gehirn gelernt hat, kann es auch wieder verlernen.Durch gezielte Bewegung, neue Reize und mentale Strategien kannst du ihm beibringen: „Es ist alles okay. Du kannst den Alarm ausschalten.“ Spiel | das beste Schmerzmittel, das du nicht nutzt Jetzt könnte man denken: „Okay, dann muss ich mich halt zwingen, durch den Schmerz hindurchzugehen.“ Aber das ist genau der falsche Ansatz. Der beste Weg, Schmerz zu reduzieren, ist viel eleganter: Spiel. Klingt komisch? Ist es aber nicht. Schmerz ist ein Output des Gehirns, und dein Gehirn ist ein Muster-Erkennungs-Organ. Es liebt Gewohnheiten, Routinen und Vorhersehbarkeit. Wenn du also immer wieder dieselbe Bewegung machst und dabei Schmerzen erwartest („Immer wenn ich meinen Arm so hebe, tut es weh“), dann verstärkt dein Gehirn dieses Muster. Aber was passiert, wenn du die Bewegung anders ausführst? Hier kommt das Prinzip der externen Ziele ins Spiel, das in der Neuroathletik verwendet wird: Anstatt zu sagen „Hebe den Arm“, lass die Person mit einem Laserpointer ein Muster an der Wand nachfahren. Anstatt „Beug das Knie“, spiel mit einem Ball, der den Fokus von der Bewegung selbst ablenkt. Was passiert? Plötzlich ist die Bewegung schmerzfrei. Warum? Weil dein Gehirn nicht mehr darauf wartet, dass es wehtut. Es ist mit einer neuen Aufgabe beschäftigt und umgeht die gewohnte Schmerzschleife. Wie du dein Gehirn ueberlisten kannst | Strategien gegen Schmerz Hier sind ein paar effektive Wege, wie du aus der Schmerzspirale ausbrechen kannst: 1️⃣ Schmerzedukation – Wissen ist Macht Allein das Verständnis, dass Schmerz eine Hirnreaktion ist, kann helfen. Dein Schmerz ist echt – aber das heißt nicht, dass dein Körper zerstört ist. 2️⃣ Bewegung – aber clever Zu viel Schonung verstärkt Schmerz – dein Gehirn denkt: „Aha, wir vermeiden das, weil es gefährlich ist.“ Aber auch zu aggressive Bewegung kann das Nervensystem weiter hochfahren. Die Lösung? Spielerische Bewegung mit externen Zielen. 3️⃣ Sensorik trainieren Riechtraining, Augentraining oder Gleichgewichtsübungen können das Nervensystem entspannen und die Schmerzmatrix beruhigen. Denn je mehr Sinne integriert werden, desto

Neuroathletik: Warum unser Gehirn der Schluessel zu besserer Bewegung ist | Ein Gespraech mit Sebastian Rieder

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Neuroathletik: Warum unser Gehirn der Schluessel zu besserer Bewegung ist – Ein Gespraech mit Sebastian Rieder Patrick Ehrenberger / 9. April 2025 / Allgemein In einer der letzen Humanimal Talks Podcast-Folge haben wir mit Sebastian Rieder über ein Thema gesprochen, das gerade im Sport und in der Therapie für Furore sorgt: Neuroathletik. Sebastian, der selbst CrossFit-Boxen in Wien betreibt und Neuroathletik-Trainer ist, gab uns spannende Einblicke in die Welt des neurozentrierten Trainings – einem Ansatz, bei dem das Gehirn im Mittelpunkt steht. In diesem Blogbeitrag erfahrt ihr, was Neuroathletik ist, wie Sebastian sie in seiner Arbeit einsetzt und warum dieser Ansatz Training und Therapie revolutioniert. Was ist Neuroathletik? Neuroathletik-Training basiert auf der Erkenntnis, dass unser Gehirn sämtliche Bewegungen steuert. Während klassisches Training oft an Muskeln, Gelenken oder der Biomechanik ansetzt, geht Neuroathletik einen Schritt weiter: Es betrachtet die „Software“ – also das Nervensystem – als entscheidenden Faktor. Wenn das Gehirn nicht die richtigen Informationen erhält, entstehen Bewegungsprobleme, Schmerzen oder Leistungseinbußen. Im Podcast erklärte Sebastian, dass er durch seine Arbeit mit Sportlern immer wieder an Grenzen stieß. „Ich dachte, ich bin ein guter Trainer, aber es gab Fälle, bei denen ich einfach nicht weiterkam“, erzählte er. Erst als er sich mit Neuroathletik beschäftigte, erkannte er, dass das Problem oft nicht beim Muskel, sondern bei der Informationsverarbeitung im Gehirn lag. „Das war ein totaler Paradigmenwechsel für mich.“ Vom Kampfsport zur Neuroathletik: Sebastians Weg Sebastian Rieder kommt aus dem Kampfsport, hat Mathematik und Physik mit Schwerpunkt Biomathematik studiert und betreibt drei CrossFit-Boxen in Wien. Sein Weg zur Neuroathletik begann, als er merkte, dass er bei manchen Kunden mit herkömmlichen Methoden nicht weiterkam. „Es gab Fälle, die mich vor Rätsel gestellt haben – zum Beispiel ein HNO-Arzt mit extremem Blutdruck bei minimaler Belastung oder Sportler, die trotz Training keine Fortschritte machten“, erinnerte er sich im Podcast. Erst durch den neurozentrierten Ansatz fand er Lösungen. Heute setzt er Neuroathletik gezielt ein, um Bewegungsqualität zu verbessern und Verletzungen vorzubeugen. Besonders beeindruckend: Sebastian arbeitete sogar kurz vor der WM mit vier Spielern des österreichischen Nationalteams – und setzte dabei voll auf Neuroathletik. Wie Neuroathletik funktioniert Im Gespräch erklärte Sebastian, dass Neuroathletik drei große Säulen hat: Visuelles System: Die Augen liefern den Großteil der Informationen an unser Gehirn. Wenn ein Athlet Probleme hat, schnelle Bewegungen zu verfolgen, leidet seine gesamte Leistung. „Ich habe erlebt, wie durch einfaches Augentraining sofortige Verbesserungen erzielt wurden“, so Sebastian. Vestibuläres System: Unser Gleichgewichtsorgan im Innenohr sorgt dafür, dass wir stabil stehen und uns sicher bewegen. „Ein junger Eishockey-Spieler fühlte sich ständig verloren auf dem Eis. Wir fanden heraus, dass ein Gleichgewichtskanal im Innenohr nicht optimal funktionierte. Nach ein paar Übungen war er wie ausgewechselt“, berichtete Sebastian im Podcast. Propriozeption: Sensoren in Muskeln und Gelenken geben dem Gehirn Feedback über unsere Körperhaltung und Bewegung. „Ich hatte mal einen Fußballer mit extrem schwacher Rumpfmuskulatur. Anstatt ihm Planks zu verordnen, habe ich sein Mittelhirn stimuliert – und plötzlich war die Stabilität da“, so Sebastian. Lars Lienhard und die Neuroathletik-Pioniere Natürlich kann man über Neuroathletik nicht sprechen, ohne Lars Lienhard zu erwähnen. Lienhard, ein Pionier in diesem Bereich, hat mit seinem Buch „Training beginnt im Gehirn“ und seiner Arbeit mit Spitzensportlern, darunter die deutsche Fußball-Nationalmannschaft 2014, den Grundstein gelegt. Auch Sebastian ließ sich unter anderem von Lienhards Ansatz inspirieren: „Der Lars hat einen extrem praxisorientierten Zugang, was mir total gefällt. Man geht aus seinen Seminaren raus und kann sofort loslegen.“ Doch Sebastian betont, dass Neuroathletik kein starres System ist: „Ich habe meinen eigenen Weg gefunden und probiere viel aus. Manchmal mache ich etwas intuitiv, ohne genau zu wissen, warum – und es funktioniert. Danach lese ich nach, warum das so war.“ Dr. Eric Cobb | Pionier der neurowissenschaftlichen Bewegungsoptimierung Ein weiterer bedeutender Vorreiter in der Welt der Neuroathletik ist Dr. Eric Cobb. Als Chiropraktiker mit einem Abschluss in Humanbiologie hat er umfassende Studien in Neurologie, Neurophysiologie, Schmerzmanagement, Ernährung, funktioneller Medizin, Kinesiologie und fortgeschrittenen Weichteiltechniken absolviert. In den frühen 2000er-Jahren entwickelte er das Z-Health Performance Education System, das neurowissenschaftliche Erkenntnisse in klassisches Athletiktraining integriert. Dr. Cobbs Ansatz stellt das Nervensystem in den Mittelpunkt und revolutioniert so das Verständnis von Bewegung und Leistungsfähigkeit. Durch seine wegweisenden Pionierarbeiten hat er Trainer und Therapeuten weltweit inspiriert, ihre Methoden zu überdenken und neu zu gestalten – ein entscheidender Schritt, der den Weg für moderne neurozentrierte Trainingskonzepte ebnete. Warum Neuroathletik ein Game-Changer ist Sebastian brachte es im Podcast auf den Punkt: „Früher habe ich biomechanisch gearbeitet – Kniebeuge muss so und so aussehen. Aber warum macht jemand eine Bewegung nicht optimal? Vielleicht, weil das Gehirn falsche oder unvollständige Informationen bekommt. Mit Neuroathletik ändere ich die Software, nicht nur die Hardware.“ Einer seiner besten Aha-Momente? „Ich habe mal eine Klientin mit alten Sprunggelenksverletzungen behandelt. Nach einer kurzen sensorischen Stimulation war ihre Hüftmuskulatur plötzlich viel stärker. Das war für mich mind-blowing.“ Neuroathletik im Alltag: Einfache Tipps zum Ausprobieren Sebastian hat im Podcast einen einfachen Neuro-Drill verraten, den jeder sofort ausprobieren kann: Reibt vor dem Training euren gesamten Körper ab – von den Füßen bis zum Kopf. Diese einfache Übung aktiviert die sensorischen Rezeptoren in der Haut und sorgt für ein besseres Körpergefühl. „Das dauert zwei Minuten und macht einen Riesenunterschied“, verspricht Sebastian. Neuroathletik lernen: Kurse und Workshops Für alle, die tiefer in die Neuroathletik eintauchen wollen, bietet Sebastian ab Juni in Wien Neuroathletik-Trainer-Ausbildungen an. „Unser Fundamentals-Workshop am 24./25. Mai gibt einen Überblick, und am 13. Juni starten wir mit den fünf Modulen der Neuroathletik-Trainer-Ausbildung“, verriet er im Podcast. Infos gibt’s auf der Homepage des Neuroathletik Training Instituts. Fazit: Neuroathletik ist die Zukunft des Trainings Unser Gespräch mit Sebastian Rieder hat eines klar gemacht: Neuroathletik ist kein kurzfristiger Trend, sondern ein fundamentaler Wandel im Training und in der Therapie. Egal ob im Spitzensport, in der Physiotherapie oder im Alltag – wer die „Software“ im Gehirn optimiert, kann Bewegungsqualität, Leistungsfähigkeit und sogar Heilungsprozesse enorm verbessern. Sebastian bringt es im Podcast perfekt auf den Punkt: „Wir sind keine Maschinen, sondern ein integriertes System. Neuroathletik gibt uns Werkzeuge an die Hand, um dieses System effizienter und gesünder zu

Kaffee: Wundermittel oder taeglicher Energieraeuber?

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Kaffee: Wundermittel oder taeglicher Energieraeuber? Patrick Ehrenberger / 11. März 2025 / Allgemein Kannst du dich noch an deinen ersten Kaffee erinnern? Hat er dir geschmeckt? Wahrscheinlich nicht besonders. Und trotzdem trinkst du ihn heute wahrscheinlich regelmäßig. Es gibt Dinge, die gehören einfach zum Leben dazu: Die Sonne geht auf, die Bahn kommt zu spät, und der erste Kaffee am Morgen rettet den Tag – oder? Jeder kennt diesen einen Freund, der ohne seinen Morgenkaffee nicht ansprechbar ist. Oder dieses verzweifelte „Ich brauch jetzt einen Kaffee!“, wenn das Nachmittagsloch zuschlägt. Die Frage ist: Tut uns Kaffee wirklich so gut, oder sind wir alle Teil eines weltweiten Experiments, das niemand so richtig hinterfragt? Bevor wir richtig einsteigen, lass mich noch eine kleine Geschichte aus meiner Kaffee-Vergangenheit erzählen. Mein Selbstexperiment: 8 Wochen ohne Kaffee | und was dann passierte Ich war lange Zeit ein klassischer Viel-Kaffeetrinker. Mein Tag begann mit einem doppelten Espresso, in der Arbeit folgte der nächste, zwischendurch nochmal zwei schnelle Espressi, und wenn am Nachmittag die Sonne schön schien, gab es vielleicht noch einen Kaffee mit Eiswürfeln. Alles ganz normal – dachte ich zumindest. Dann stieß ich auf diesen Artikel, der mich zum Nachdenken brachte. Die Botschaft war simpel: „Probier doch mal vier bis acht Wochen ohne Kaffee aus und schau, was passiert.“ Das klang nach einer spannenden Herausforderung, also legte ich los. Ich muss sagen, es war leichter als gedacht – ein klassischer Koffeinentzug blieb mir erspart. Nach etwa zwei Wochen passierte dann etwas Erstaunliches. Ich wachte morgens auf und war sofort da. Kein Trägheitsgefühl, kein stundenlanges Hochfahren. Wer mich kennt, weiß: Das war nicht immer so. Ich habe früher bis Mittag gebraucht, um wirklich wach zu sein. Plötzlich hatte ich den ganzen Tag über konstante Energie, ohne das typische Nachmittagsloch, das mich vorher regelmäßig erwischt hatte. Auch mein Schlaf verbesserte sich enorm. Früher lag ich oft abends wach, gedanklich noch im Tag verhaftet. Ohne Kaffee schlief ich schneller ein und wachte erholter auf. Das war der Moment, in dem ich realisierte: Kaffee hatte mich jahrelang nicht nur wach gehalten – er hatte mich auch ausgelaugt. Nach eineinhalb Jahren fast ohne Kaffee trinke ich ihn jetzt wieder, aber ganz bewusst. Ich verwende ihn gezielt, wenn ich ihn brauche – zum Beispiel für eine intensive Arbeitsphase oder ein hartes Training. Aber er ist kein tägliches Ritual mehr, keine Krücke, auf die ich mich verlassen muss. Was ich aus diesem Experiment gelernt habe? Kaffee ist mächtig, aber er ist kein Grundnahrungsmittel. Wer das Gefühl hat, ohne Kaffee nicht zu funktionieren, sollte sich vielleicht genau das mal hinterfragen. Ich kann es nur empfehlen: Einfach mal ein paar Wochen darauf verzichten und schauen, was passiert. Vielleicht bist du danach genauso überrascht wie ich. Nun aber rein ins Thema! Wie viel Kaffee trinken wir? Zahlen und Fakten Kaffee ist nach Erdöl der zweitmeistgehandelte Rohstoff der Welt. Weltweit werden jährlich über 10 Milliarden Kilogramm Kaffee produziert. Und in Österreich? Drei Tassen pro Kopf am Tag – das sind über 1000 Tassen im Jahr. Der durchschnittliche Österreicher gibt etwa 250 Euro pro Jahr für Kaffee aus. Kaffee ist nach Wasser das meistgetrunkene Getränk in Österreich. Ja, ich war auch überrascht, dass es nicht Bier ist. Aber warum trinken wir eigentlich Kaffee? Die Biochemie hinter Kaffee – The good, the bad and the ugly Fangen wir mal positiv an. Die positiven Effekte von Kaffee – mehr als nur ein Wachmacher Trotz aller Kritikpunkte gibt es gute Gründe, warum Kaffee so beliebt ist – und das nicht nur wegen der Gewohnheit. Kaffee hat einige wissenschaftlich belegte positive Effekte, wenn er in der richtigen Dosis konsumiert wird. Einer der bekanntesten Vorteile ist die kurzfristige Steigerung der mentalen Leistungsfähigkeit. Koffein verbessert die Wachsamkeit, fördert die Konzentration und kann das Reaktionsvermögen erhöhen. Wer eine wichtige Aufgabe vor sich hat, kann mit einer Tasse Kaffee oft fokussierter arbeiten. Auch auf die körperliche Leistungsfähigkeit hat Kaffee positive Auswirkungen. Er steigert die Produktion von Adrenalin, wodurch der Körper mehr Energie mobilisiert. Das führt dazu, dass Sportler nach der Einnahme von Koffein oft länger durchhalten und mehr Leistung abrufen können. Ein weiterer spannender Punkt ist der Einfluss auf Neurodegeneration. Studien zeigen, dass regelmäßiger Kaffeekonsum mit einem geringeren Risiko für Alzheimer und Parkinson in Verbindung gebracht wird. Die enthaltenen Polyphenole und Antioxidantien haben eine schützende Wirkung auf die Nervenzellen und können helfen, Entzündungen im Gehirn zu reduzieren. Kaffee kann auch eine schutzende Wirkung auf die Leber haben. Besonders Menschen, die zu Fettleber oder Lebererkrankungen neigen, könnten von moderatem Kaffeekonsum profitieren, da Kaffee bestimmte Enzyme aktiviert, die die Leberfunktion verbessern. Auch das viel diskutierte Thema Diabetesrisiko verdient Aufmerksamkeit. Während Kaffee kurzfristig die Insulinsensitivität senken kann, zeigen Langzeitstudien, dass regelmäßiger Kaffeekonsum mit einem geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes einhergeht. Vermutlich liegt das an den enthaltenen Antioxidantien, die entzündungshemmend wirken und den Zuckerstoffwechsel positiv beeinflussen. Ein weiterer positiver Punkt ist die Aktivierung des Nrf2-Systems. Nrf2 ist ein zellulärer Schutzmechanismus, der die Bildung von Antioxidantien und Entgiftungsenzymen ankurbelt. Kaffee aktiviert diesen Mechanismus ähnlich wie andere Hormesis-Reize – also leichte Stressoren wie Kälte, Hitze oder Fasten. In moderaten Mengen könnte Kaffee also eine mild schützende Wirkung auf den Körper haben. Zusammengefasst: Kaffee hat durchaus Vorteile, aber die Dosis macht das Gift. Wer ihn bewusst einsetzt – etwa vor dem Sport, in stressigen Arbeitsphasen oder als gezielten Performance-Booster – kann die positiven Effekte nutzen, ohne die negativen Konsequenzen in Kauf zu nehmen. Nun aber zur dunklen Seite. Einige der oben genannten Argumente kann man auch schnell mal umdrehen.   Kaffee blockiert Müdigkeit – aber auf Umwegen Adenosin ist ein kleines Molekül, das sich im Gehirn ansammelt, je länger wir wach sind. Wenn der Pegel hoch genug ist, signalisiert unser Körper: „Zeit für eine Pause!“ Kaffee tritt auf die Bühne und blockiert die Adenosin-Rezeptoren. Das bedeutet, dass unser Gehirn die Müdigkeitssignale nicht mehr wahrnimmt – wir fühlen uns plötzlich wacher und fokussierter. Doch der Körper ist schlauer als wir. Wenn wir ständig Kaffee trinken, fängt er an, mehr Adenosin-Rezeptoren zu bilden. Das Ergebnis? Ohne Kaffee sind wir müder als vorher. Das erklärt,

Trauma verstehen: Was es mit uns macht und wie wir heilen koennen

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Trauma verstehen: Was es mit uns macht und wie wir heilen können Patrick Ehrenberger / 21. Februar 2025 / Allgemein Stell dir vor: Du fährst entspannt durch die Stadt, als plötzlich ein lautes Bremsenquietschen ertönt – und dein Körper zuckt unwillkürlich zusammen, dein Herz rast. Oder du gerätst in eine harmlose Diskussion, doch anstatt ruhig zu bleiben, reagierst du mit Panik oder ziehst dich völlig zurück, ohne zu wissen, warum.Trauma wirkt oft im Verborgenen. Es ist nicht nur eine Erinnerung an ein schlimmes Ereignis – es hinterlässt Spuren in deinem Nervensystem, deinem Hormonhaushalt und sogar in deiner DNA. Etwa 70 Prozent aller Menschen erleben im Laufe ihres Lebens mindestens ein traumatisches Ereignis, doch viele verstehen nicht, warum ihr Körper noch Jahre später darauf reagiert. In diesem Beitrag erfährst du, warum Trauma nicht nur in deinem Kopf existiert, sondern in deinem ganzen Körper gespeichert ist – und vor allem, wie du den Weg zur Heilung finden kannst. Trauma ist ein tiefgreifendes Thema, das nicht nur unsere Psyche beeinflusst, sondern auch unser Nervensystem, unseren Hormonhaushalt und sogar unsere Gene. Viele Menschen leiden unter den körperlichen Langzeitfolgen eines Traumas, ohne sich bewusst zu sein, dass alte Erfahrungen noch immer in ihrem Körper gespeichert sind. In diesem Beitrag erfährst du: Was ein Trauma ist und wie es entsteht Wie sich Trauma auf Gehirn, Hormonhaushalt und Immunsystem auswirkt Welche langfristigen Folgen ein unverarbeitetes Trauma haben kann Welche Wege es gibt, um ein Trauma zu heilen Was ist ein Trauma? Ein Trauma entsteht, wenn eine Person eine Situation als bedrohlich oder lebensgefährlich wahrnimmt, aber keine Möglichkeit sieht, sich aus der Situation zu befreien. Akute Traumata (Typ-1-Trauma) entstehen durch einmalige, überwältigende Ereignisse wie Unfälle, Gewaltübergriffe oder Naturkatastrophen. Chronische Traumata (Typ-2-Trauma) entstehen durch langanhaltende Belastungen wie Missbrauch, Mobbing oder emotionale Vernachlässigung. Doch nicht jede gefährliche Situation führt automatisch zu einem Trauma. Entscheidend ist, wie unser Nervensystem die Bedrohung verarbeitet. Beispiel:Kinder im Regenwald spielen ohne Angst mit giftigen Schlangen, während Touristen in Panik geraten. Hier zeigt sich, dass unsere Wahrnehmung von Gefahr auch erlernt sein kann. Wie reagiert unser Koerper auf Trauma? Ein Trauma aktiviert unser Notfallsystem, das uns entweder in den Kampf, die Flucht oder in die Erstarrung (Freeze)versetzt. Kampf: Wir setzen Energie frei, um gegen die Bedrohung anzukämpfen. Flucht: Wir versuchen, der Gefahr zu entkommen. Erstarrung: Der Körper schaltet auf „Überleben“ um, indem er Bewegungen einfriert und Emotionen abschaltet. Diese Reaktionen werden von unserem Stresssystem, der HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse), gesteuert. Was passiert im Gehirn und Koerper bei einem Trauma? Die HPA-Achse – Das chronische Stresssystem Die HPA-Achse ist die zentrale Schaltstelle für unsere Stressreaktion. Wenn wir eine Bedrohung wahrnehmen, passiert Folgendes: Die Amygdala schlägt Alarm Die Amygdala, unser Angstzentrum, erkennt die Gefahr und signalisiert dem Hypothalamus, dass eine Notfallreaktion notwendig ist. Hypothalamus aktiviert die Hypophyse Der Hypothalamus schüttet Corticotropin-Releasing-Hormon (CRH) aus, welches die Hypophyse stimuliert. Die Nebennieren schütten Stresshormone aus Die Nebennierenrinde setzt Adrenalin und Cortisol frei: ✔ Adrenalin: Erhöht Herzfrequenz, Blutdruck und Muskelspannung. ✔ Cortisol: Erhöht den Blutzuckerspiegel und unterdrückt kurzfristig das Immunsystem. Problem:Bleibt das Trauma unverarbeitet, bleibt die HPA-Achse dauerhaft aktiv – das führt zu chronischem Stress und macht auf lange Sicht krank. Cortisolresistenz – Warum chronischer Stress krank macht Normalerweise soll Cortisol nach einer Stressreaktion den Körper wieder in den Entspannungsmodus bringen. Doch bei anhaltendem Trauma werden die Zellen resistent gegen Cortisol. Das Immunsystem bleibt dauerhaft aktiviert → Erhöhte Entzündungswerte (IL-6, TNF-α, CRP) Das Nervensystem bleibt in Alarmbereitschaft → Angst, Unruhe, Erschöpfung Hormonelles Ungleichgewicht → Schlafstörungen, Gewichtszunahme, Burnout Langfristig kann eine überaktive HPA-Achse zu Nebennierenerschöpfung führen, was sich in extremer Müdigkeit und Konzentrationsproblemen äußert.   Wie veraendert Trauma den Hirnstoffwechsel? Die Amygdala wird überaktiv – Dauerhafte Angstreaktionen Die Amygdala scannt die Umwelt ständig auf Bedrohungen, selbst wenn keine reale Gefahr besteht. Folge: Menschen mit Trauma sind oft reizbarer, schreckhafter oder erleben Panikattacken. Der Hippocampus schrumpft – Probleme mit Erinnerung & Orientierung Traumatische Erinnerungen werden nicht richtig als „Vergangenheit“ abgespeichert – Flashbacks fühlen sich an wie Gegenwart. Folge: Gedächtnisstörungen, Dissoziation & emotionale Taubheit. Der präfrontale Kortex wird gehemmt – Weniger Selbstkontrolle Emotionen können schwerer reguliert werden. Folge: Impulsivität, Stimmungsschwankungen, Schwierigkeiten mit Entscheidungen. Langfristige Folgen eines unverarbeiteten Traumas Chronischer Stress: Das Nervensystem bleibt dauerhaft im Alarmzustand. Neuroinflammation: Erhöhte Entzündungen im Gehirn beeinflussen die Produktion von Serotonin & Dopamin → erhöhtes Risiko für Depressionen & Angststörungen. Hormonelle Dysbalance: Langfristige Cortisolresistenz führt zu Erschöpfung & Burnout. Autoimmunerkrankungen: Chronischer Stress kann Krankheiten wie Rheuma oder Hashimoto begünstigen. Verdauungsprobleme & „Leaky Gut“: Trauma verändert das Mikrobiom, was zu Darmentzündungen führt. Kann Trauma weitergegeben werden? Ja! Forschungen zeigen, dass Trauma nicht nur psychologisch, sondern auch epigenetisch über Generationen hinweg weitergegeben werden kann. Anzeichen für transgenerationale Traumata: Ungeklärte, intensive Ängste vor bestimmten Themen oder Orten Wiederkehrende Albträume oder starke emotionale Reaktionen ohne erkennbaren Auslöser Unbewusste Wiederholungen von Verhaltensmustern der Vorfahren Kann man ein Trauma heilen? | Ja, mit einem ganzheitlichen Ansatz! Effektive Methoden zur Traumaheilung Körperarbeit & Bewegung: Yoga, Tanztherapie & Kampfsport helfen, gespeicherte Spannungen zu lösen. Natur & Erdung Barfußlaufen & Waldbaden beruhigen das Nervensystem.✔ Zeit in der Natur hilft, aus dem „Kopf“ zurück in den Körper zu kommen. Kreativität & Ausdruck Kunst, Musik oder Schreiben helfen, Trauma auf eine neue Weise zu verarbeiten. Theater & Rollenspiele können unterdrückte Emotionen freisetzen. Soziale Bindungen & sichere Gemeinschaften Stabile Beziehungen sind ein wichtiger Schutzfaktor gegen Trauma. Oxytocin (das Bindungshormon) wird durch liebevollen Kontakt & Nähe aktiviert. Therapeutische Techniken helfen, traumatische Erinnerungen neu zu verarbeiten. Somatic Experiencing nutzt Körperwahrnehmung zur Traumaheilung. Mindfulness & Atemübungen regulieren das Nervensystem. Fazit: Trauma verstehen heisst, neue Wege zur Heilung zu finden Trauma ist nicht nur eine psychische Wunde – es beeinflusst unser Gehirn, Hormonsystem und Immunsystem. Doch Heilung ist möglich! Mit Bewegung, sozialen Verbindungen, Kreativität und therapeutischen Methoden können wir unser Nervensystem neu regulieren. 🎧 Mehr dazu in unserer aktuellen Podcast-Folge mit Dr. Edgar Salazar – jetzt anhören! https://open.spotify.com/episode/4vaRF0RdbIQgdeG2k8Zaw0?si=mJn77KZXRLClNhNwTP2xKA #HumanimalTalks #TraumaHeilung #HPAAchse #Neurobiologie #Stressregulation #MindBodyConnection #MentalHealth #Resilienz Post Tags : This post , No term , Example only Share : Team FAQs Kontakt Blog Facebook-f Icon-instagram-1 Linkedin Copyright © 2025 Humanimal Datenschutzerklärung Impressum

Schlaf: Der unterschaetzte Schluessel zu Gesundheit und Lebensfreude

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Schlaf: Der unterschaetzte Schluessel zu Gesundheit und Lebensfreude Patrick Ehrenberger / 21. Februar 2025 / Allgemein Wir alle wissen, wie wichtig Schlaf ist – zumindest theoretisch. Trotzdem finden viele von uns immer wieder Gründe, ihn zu vernachlässigen: Überstunden, Netflix-Binge-Watching oder der Versuch, die nächste To-Do-Liste abzuarbeiten. Dabei ist Schlaf eine der einfachsten und effektivsten Möglichkeiten, unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und unsere Leistung zu verbessern. In der Folge von Humanimal Talks „Schlaf – Der unterschätzte Schlüssel zu Gesundheit und Lebensfreude“ haben wir uns tief in das Thema Schlaf gestürzt und teilen mit euch, warum guter Schlaf keine Option, sondern ein absolutes Muss ist. Warum Schlaf so entscheidend ist Während wir schlafen, laufen in unserem Körper und Gehirn wichtige Prozesse ab: Regeneration: Muskeln reparieren sich, das Immunsystem wird gestärkt und das Gehirn räumt auf – wortwörtlich. Emotionale Verarbeitung: Erlebnisse und Emotionen werden verarbeitet, was uns hilft, Stress besser zu bewältigen. Lernen und Kreativität: Im Schlaf festigen wir neu Gelerntes und entwickeln kreative Lösungen für Probleme. Aber was passiert, wenn wir nicht genug schlafen? Schon nach wenigen Nächten Schlafmangel merken wir es: Konzentrationsprobleme, Stimmungsschwankungen und ein schwaches Immunsystem sind nur die Spitze des Eisbergs. Langfristig erhöht Schlafmangel das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselprobleme und sogar Demenz. Kurz gesagt: Schlafmangel macht uns anfälliger für so ziemlich alles, was wir vermeiden wollen. Die vier Saeulen des Schlafs: Qualitaet, Quantitaet, Regularitaet und Timing Wie können wir unseren Schlaf optimieren? Dr. Matthew Walker, einer der führenden Schlafforscher, hat ein Modell entwickelt, das uns die wichtigsten Aspekte des Schlafs erklärt: Qualität, Quantität, Regularität und Timing – kurz QQRT. 1. Qualität Guter Schlaf ist nicht nur lang, sondern auch erholsam. Das bedeutet: Wir verbringen genügend Zeit in den wichtigen Schlafphasen, insbesondere dem Tiefschlaf und der REM-Phase. Diese Phasen sind entscheidend für die körperliche und geistige Erholung.Unser Tipp: Schaffe eine ruhige, dunkle und kühle Schlafumgebung. Vermeide Unterbrechungen und reduziere Blaulicht von Bildschirmen am Abend. 2. Quantität Die ideale Schlafdauer für Erwachsene liegt zwischen 7 und 9 Stunden. Schlafen wir dauerhaft weniger oder mehr, kann das negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben.Unser Tipp: Plane deinen Schlaf wie einen wichtigen Termin. Stelle sicher, dass du jeden Tag ausreichend Zeit für deine nächtliche Regeneration hast. 3. Regularität Unser Körper liebt Routinen. Wenn wir regelmäßig zur gleichen Zeit schlafen gehen und aufstehen, hilft das unserer inneren Uhr, im Takt zu bleiben.Unser Tipp: Vermeide den sogenannten Social Jetlag – das Chaos, das entsteht, wenn du unter der Woche früh aufstehst, am Wochenende aber ausschläfst und erst spät ins Bett gehst. 4. Timing Wann wir schlafen, hängt stark von unserem Chronotyp ab. Es gibt Frühaufsteher (Lerchen) und Nachtmenschen (Eulen). Der ideale Schlafrhythmus sollte mit deinem natürlichen Chronotyp übereinstimmen.Unser Tipp: Finde heraus, welcher Chronotyp du bist, und passe deinen Alltag so weit wie möglich daran an. Tipps und Tricks zu besserem Schlaf Schlaf ist individuell – was für den einen funktioniert, muss nicht unbedingt auch für den anderen passen. Trotzdem gibt es einige universelle Tipps, die uns allen helfen können: 1. Nutze die Kraft des Lichts Licht ist der wichtigste Regulator für unsere innere Uhr. Morgens brauchen wir helles Tageslicht, um wach zu werden. Abends hilft uns gedämpftes, warmes Licht, uns auf den Schlaf einzustellen.Unser Tipp: Geh morgens raus, auch wenn die Sonne nicht scheint. Am Abend vermeide künstliches Blaulicht von Smartphones und Laptops. Nutze Nightshift-Filter oder eine Blaulichtbrille. 2. Die richtige Ernährung Was und wann wir essen, beeinflusst unseren Schlaf maßgeblich. Schwere Mahlzeiten spät am Abend belasten den Körper und können den Schlaf stören.Unser Tipp: Iss deine letzte Mahlzeit idealerweise drei bis vier Stunden vor dem Schlafengehen. Lebensmittel mit Tryptophan – einer Aminosäure, die für die Melatonin-Produktion wichtig ist – können den Schlaf unterstützen. Gute Quellen sind Nüsse, Truthahn, Milchprodukte und Eier. 3. Bewegung ist Gold Regelmäßige Bewegung fördert guten Schlaf. Aber Vorsicht: Intensive Sporteinheiten spät am Abend können deinen Körper aufputschen und das Einschlafen erschweren.Unser Tipp: Plane dein Training möglichst am Vormittag oder frühen Nachmittag. 4. Die richtige Temperatur Die ideale Raumtemperatur für erholsamen Schlaf liegt bei 17–18 °C. Unser Körper muss etwas abkühlen, um einzuschlafen.Unser Tipp: Eine heiße Dusche oder ein warmes Bad am Abend können helfen, den Körper herunterzufahren. 5. Rituale und Mindset Abendrituale sind wie ein Signal an unser Gehirn: „Es ist Zeit, runterzufahren.“ Rituale können individuell sein, aber sie helfen uns, uns auf den Schlaf vorzubereiten.Unser Tipp: Schreib vor dem Schlafengehen deine Gedanken auf, lies ein Buch oder nimm dir ein paar Minuten für Achtsamkeit. Wichtig: Alles, was nicht direkt mit Schlaf zu tun hat, sollte außerhalb des Bettes stattfinden. 6. Reflexion Wenn du dir tagsüber keine Zeit zur Reflexion nimmst, muss dein Körper dies nachts nachholen. Das kann zu Gedankenkreisen und erschwertem Einschlafen führen. Nimm dir daher bewusst kleine Pausen zur Reflexion im Alltag, z.B. durch Tagebuchschreiben, kurze Spaziergänge oder Meditation. So schaffst du einen klaren Kopf und förderst einen erholsamen Schlaf. Mythen und Missverstaendnisse ueber Schlaf Schlaf ist ein Thema, das oft mit Mythen und Halbwahrheiten belegt ist. Hier sind ein paar Beispiele: „Ich komme mit 6 Stunden Schlaf aus.“Nur ein sehr kleiner Prozentsatz der Menschen hat genetisch das Glück, mit weniger Schlaf auszukommen. Für die meisten von uns gilt: Weniger Schlaf = weniger Energie und schlechtere Gesundheit. „Alkohol hilft mir beim Einschlafen.“Alkohol mag dich müde machen, aber er stört die Tiefschlaf- und REM-Phasen erheblich. Du schläfst zwar ein, aber nicht gut. „Ich kann Schlaf am Wochenende nachholen.“Schlaf ist kein Bankkonto. Einmal verlorene Nächte lassen sich nicht einfach so „zurückzahlen“. Fazit: Schlaf ist dein Gamechanger Schlaf ist keine Zeitverschwendung – im Gegenteil, er ist die Grundlage für alles, was du im Leben erreichen willst. Mit den richtigen Gewohnheiten und ein paar kleinen Anpassungen kannst du deinen Schlaf nachhaltig verbessern. Und glaub uns: Dein Körper, dein Geist und deine Laune werden es dir danken! 🎙️ Hör dir unsere Podcast-Folge an: https://open.spotify.com/episode/4vaRF0RdbIQgdeG2k8Zaw0?si=mJn77KZXRLClNhNwTP2xKAWir teilen noch mehr Tipps und Tricks, die dir helfen, den besten Schlaf deines Lebens zu bekommen. 💬 Wie sieht es bei dir aus? Hast du schon Schlafroutinen, die gut funktionieren? Oder kämpfst du manchmal mit Schlafproblemen? Teile deine Erfahrungen

What the food?

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What the food? Patrick Ehrenberger / 14. August 2024 / Allgemein In diesem Bolgbeitrag widme ich mich einer heiß diskutierten Angelegenheit: der Ernährung! Es gibt wohl wenige Bereiche in unserem Leben, die uns alle betreffen und in denen es mehr Diskussionen, Mythen und selbsternannte Expert*innen gibt. Jede*r, der oder die mal eine Netflix-Dokumentation gesehen hat, ist plötzlich Ernährungsexpert*in. Es gibt kaum Themen, die so emotional aufgeladen sind – naja, vielleicht abgesehen davon, ob man ein violettes oder grün-weißes Trikot trägt. Aber mal ehrlich: Ernährungsformen gibt es wie Fahrräder in Amsterdam. Heutzutage hat jede Ernährungsweise ihren eigenen Namen: sei es Paleo, Keto, Whole30, DASH-Diät, Low-FODMAP, Low Carb, High Carb, Carnivore und so weiter. Dann kommen natürlich noch die vegetarischen oder veganen Varianten dazu. Eine „Vegan-Carnivore-Diät“? Oh, Moment, das wird schwierig. Ich werde jetzt nicht erklären, was hinter diesen Diäten steckt – das kannst du googeln, und ehrlich gesagt halte ich die meisten davon für schwachsinnig. Wobei das so auch nicht stimmt. Keto ist zum Beispiel spannend bei Epilepsie und anderen neurologischen Erkrankungen. Low Carb kann helfen, entgleiste Blutzuckerspiegel wieder einzufangen. Die FODMAP-Diät ist interessant für Menschen mit Unverträglichkeiten. Also haben diese Diäten durchaus ihre Berechtigung, aber eben für bestimmte Patient*innengruppen und nicht für die allgemeine Bevölkerung. Wenn du krank bist und gesund werden willst, dann macht eine strengere Diät oder besser eine Ernährungsumstellung durchaus Sinn. Doch wenn du gesund bist, verkompliziere es nicht zu sehr. Es ist faszinierend zu beobachten, wie Essen quasi zur Religion wird und dann mit der Leidenschaft eines jungen Gospelpredigers versucht wird, andere von der „einzig wahren“ Diät zu überzeugen. Wissenschaft wird dabei oft komplett ignoriert, stattdessen werden Anekdoten erzählt und von Wundern berichtet. Oh, das kommt uns doch von echten Religionen bekannt vor, oder? Ich weiß, wovon ich rede, denn ich war selbst so ein missionarischer Prediger. Mit einer fast schon unheimlichen Begeisterung habe ich die Paleo-Diät gepredigt, bis es nicht mehr feierlich war. Dann kam meine kPNI-Ausbildung, und plötzlich war rotes Fleisch die Wurzel allen Übels – neben Getreide, Zucker und Hülsenfrüchten, versteht sich. Ich habe mit meinen Vorträgen über Ernährung so manche Freundschaft auf die Probe gestellt, denn ich habe meinen Rat erteilt – ob jemand wollte oder nicht. Ich hoffe, ich bin inzwischen ein Stück vom sogenannten Mount Stupid heruntergeklettert und nicht mehr ganz so missionarisch unterwegs. Ich beiße mir oft auf die Lippe, wenn es um dieses Thema geht, und versuche, nichts zu sagen. Das gelingt mir allerdings nicht immer. Hin und wieder kommt es dann doch vor, dass ich nach meiner Meinung zur Ernährung gefragt werde, und dann bin ich natürlich gern bereit, einen Monolog von 4-5 Stunden zu halten. Was wären also die Schlagworte einer „guten“ Ernährung? Ja, ausgewogen sollte sie sein. Wenn ich das höre, wird mir allerdings schon schlecht. Denn wenn ich dann nachfrage, wie eine solche „ausgewogene“ Ernährung aussieht, herrscht meist Schweigen. Für den durchschnittlichen Österreicher oder die durchschnittliche Österreicherin sieht das dann oft so aus: Morgens eine Semmel mit Schinken – aber nicht jeden Tag, manchmal gibt es auch Brot mit Wurst, und am Wochenende vielleicht sogar ein Ei, aber bloß nicht mehr wegen des bösen Cholesterins. Mittags gibt es Nudeln, aber immer andere Sorten: mal Spaghetti, mal Bandnudeln und wechselnden Saucen. Abends ein Schnitzel oder einen Schweinsbraten – aber es gibt ja eh einen Mayonnaisesalat dazu, und Salat ist schließlich gesund. Am Wochenende fühlen wir uns dann international und bestellen eine Pizza – mediterrane Kost soll ja gut fürs Herz sein. Ich weiß, das ist etwas überspitzt, und ich bin mir sicher, dass viele, die diesen Blog lesen, weit davon entfernt sind. Aber wenn wir mal aus unserer Bubble herausblicken, ist das oben beschriebene Szenario vielleicht gar nicht so weit entfernt. Jetzt aber mal ernsthaft: Was ist die Basis für eine gute Ernährung? Für mich gibt es da eine ganz klare Antwort: Bewegung und Sport! Ich bin überzeugt, dass die Ergebnisse vieler Ernährungsstudien ganz anders aussehen würden, wenn Sport mit einbezogen würde. Soll heißen: Bewegst du dich genug, kannst du dir auch den einen oder anderen Fehltritt mehr erlauben. Bei Leistungssportler*innen sieht das dann wieder anders aus – die wollen aber nahe an ihrem genetischen Maximum performen. Jetzt aber wirklich zum Essen! Vorweg noch: Das perfekte Lebensmittel gibt es wohl nicht. Und es gibt auch kein Lebensmittel, das ausschließlich schlecht ist. Ich versuche, Lebensmittel immer auf die Waagschale zu legen und zu schauen, ob die positiven oder negativen Eigenschaften überwiegen. Gibt es Punkte, bei denen wir uns alle einig sind, was gesund ist? Obst und Gemüse? Meiner Meinung nach ja – iss so viel du willst davon, aber trink es nicht. Keto- und FODMAP-Anhänger*innen würden hier wahrscheinlich widersprechen. Das sollte dich jedoch nicht davon abhalten, ausreichend Pflanzen zu essen. Bei Kräutern sind sich übrigens wohl alle einig – zumindest habe ich noch nie jemanden etwas dagegen sagen hören. Meiner Meinung nach gehören Eier, Fisch, Meeresfrüchte, Geflügel, Wild, Fleisch und Innereien ganz klar zu einer artgerechten Ernährung. Diese sollten aber aus bestmöglicher Qualität stammen. Das steht natürlich im Widerspruch zu einer veganen Ernährung. Ich diskutiere auch nicht mit Veganer*innen, wenn sie mir erzählen, dass sie so essen wegen des Tierwohls. Was wir mit den Tieren, vor allem in der Massentierhaltung, aufführen, ist einfach nur grausam. Doch wenn mir jemand erzählt, es sei gesünder, sich vegan zu ernähren, kann ich meist nicht meinen Mund halten. Wir haben nicht den Magen oder Darm eines Pflanzenfressers. Wir haben auch eine ganz andere Enzymproduktion als Herbivoren. Außerdem haben tierische Produkte in manchen Bereichen einfach die Nase vorn: Proteine, Omega-3-Fettsäuren, Zink, Kreatin, B-Vitamine, Q10, Retinol (echtes Vitamin A), Eisen, Kollagen, um nur ein paar zu nennen. Natürlich haben Pflanzen auch in einigen Bereichen die Nase vorn, zum Beispiel bei Magnesium, sekundären Pflanzenstoffen, Ballaststoffen, Kupfer, Vitamin C und Vitamin E. Ich will damit sagen: Wir brauchen beides und haben wohl auch immer beides gegessen. Natürlich kann ich viele dieser Nährstoffe auch als Supplemente zu mir nehmen. Dazu rate ich übrigens nicht nur meinen veganen Patient*innen. Ich selbst nehme auch täglich Nahrungsergänzungsmittel, aber

Ein normaler Tag eines Biohackers

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Ein normaler Tag eines Biohackers Patrick Ehrenberger / 24. Juni 2024 / Allgemein Einblicke in das perfekte Leben eines Humanimal! Jeden Tag stehe ich um 5 Uhr auf. Zuerst gehe ich Sonne tanken, denn wir wissen ja, dass die Morgensonne extrem wichtig für einen guten Schlaf ist. Im Winter habe ich eine Tageslichtlampe mit 10.000 Lux, vor die ich mich setzen kann. Als zwanghafter Optimierer muss man schließlich schon am Morgen anfangen, seinen Abend zu perfektionieren. Dann folgt eine Runde Atemübungen im noch feuchten Gras. Wegen der Erdung und so. Weiter geht der Tag mit einer Achtsamkeitsübung und anschließender Danksagung an das Universum. Schließlich zeigen Studien, dass das einen massiven Einfluss auf unser Hormonsystem hat, und wer möchte nicht schon am Morgen mehr Oxytocin produzieren? Um diese Morgenroutine noch abzurunden, nehme ich mir dreißig Minuten Zeit, um in meinem Journal die Reflexionen des letzten Tages durchzulesen und mir Ziele für den heutigen Tag zu formulieren. Dann wird trainiert. Nüchtern versteht sich, denn wir müssen ja die Autophagie bis zum Maximum ankurbeln. Außerdem gilt: zuerst jagen, dann essen. Zu guter Letzt noch eine kalte Dusche. Wie könnte ein selbst ernannter Biohacker denn ohne Wim Hof überleben? Das alles mache ich, bevor die Meisten überhaupt aufstehen. Das macht mich selbstverständlich zu einem besseren Menschen, was ich auch auf allen sozialen Medien kundtun muss. Im Laufe des Tages Im weiteren Tagesverlauf sind stündliche Bewegungspausen geplant. Einmal pro Stunde wird intensiv bewegt. Das senkt nämlich das Krebsrisiko und ist generell gut für alles. Wichtig ist es, dies genau alle 60 Minuten zu tun und einen Puls von exakt 120 zu erreichen, sonst war alles sinnlos. Meine exakte Fastenzeit von 16 Stunden breche ich nur mit den wertvollsten Zutaten, die ich finden kann. Getreide, Zucker und Industrienahrung dürfen sich nicht einmal im selben Raum mit mir aufhalten, denn wenn man diese Lebensmittel nur anschaut, bekommt man schon ein Leaky Gut. Einmal im Monat faste ich 72 Stunden, denn es wurde in Studien gezeigt, dass Mäuse dadurch bis zu drei Minuten länger leben! Schließlich will ich ja länger leben als Dave Asprey und jünger aussehen als Bryan Johnson (nicht der Typ von AC/DC, sondern der real-life Benjamin Button). Zwischen meiner Arbeit, in der ich anderen Leuten erzähle, wie sie so unglaublich werden können wie ich, habe ich ausreichend Raum für weitere Selbstoptimierung. Mittagspause Für die Mittagspause sind 40 Minuten Non-Sleep Deep Rest in einem zu 100 % mit CO2 gefüllten Anzug eingeplant, gefolgt von 20 Minuten Nahrotlicht für den ganzen Körper. Meine Mitochondrien dürfen schließlich auch nicht zu kurz kommen. Zwischendurch nehme ich noch perfekt auf mich abgestimmte Nahrungsergänzungsmittel ein, die natürlich sehr teuer sind. Aber hey, Qualität hat ihren Preis. Außerdem verdiene ich genug, weil ich meinen Kunden diese Mittel mit Gewinn weiterverkaufe und in fünf Schneeballsystemen bereits genug Leute unter mir habe. Nachmittag und Abend Am Nachmittag sind mindestens drei Stunden der Fortbildung und einem weiteren Training gewidmet. Das geht ja auch gleichzeitig – warum gibt es denn Podcasts und Hörbücher? Nachdem ich dann wieder den zweihundertsten Podcast von Andrew Huberman im Ohr hatte, bin ich wieder vollgeladen mit Informationen, die ich irgendwem erzählen muss. Ob er oder sie das will, ist mir dabei vollkommen egal. Ich weiß schließlich besser, was gut für andere ist. Am Abend sitze ich dann noch in meiner Infrarotkammer, denn Hitzereize sind so wichtig für unser Immunsystem. Danach nehme ich mir wie gewohnt Zeit für mein Journal, und ja, ich könnte auch Tagebuch sagen, aber das wäre nicht hipster genug. Ich muss schließlich meinen Tag reflektieren, und außerdem ist ausnahmslos jeder meiner Gedanken so wertvoll, dass man ihn für die Nachwelt erhalten muss. Natürlich kommt meine Familie auch nicht zu kurz. Ich bin ja nebenbei bemerkt auch noch ein fehlerloser Vorzeigevater und drille meine Tochter auch schon zum Biohacking. Welche Vierjährige verlangt sonst nach Lactoferrin und Sternanis, wenn sie krank ist, und fordert jeden Tag ihre Dosis Omega-3 ein? Als Nachspeise kennt sie übrigens nur Kollagenpulver mit selbst gemachtem Joghurt aus Milch von der Kuh, die im eigenen Garten steht. Wenn du dich fragst, wie sich das alles ausgehen soll, das ist alles nur eine Frage des Zeitmanagements. Wenn du diesen Tagesplan nicht schaffst, dann planst du nur schlecht. Wenn du dich fragst wie ich diesen Artikel gerade schreibe, dann lautet die Antwort selbstredend: „An meinem Stehschreibtisch während ich auf meinem Bürolaufband gehe“. Vielleicht sieht die Wahrheit ein bisschen anders aus! So oder so ähnlich stellen sich gern BiohackerInnen, OptimierterInnen oder andere Menschen aus dem Gesundheits- oder Coachingbereich dar. Mit diesem komplett verzerrten Bild glauben dann viele, dass das alles notwendig ist, um gesund zu sein. Die Wahrheit sieht ganz anders aus. Natürlich muss ich in unserer Welt etwas tun, um gesund zu bleiben, doch da gibt es andere Wege. Ich bekomme täglich Nachrichten von FreundenInnen, Familie, SportlernInnen, Bekannten und PatientenInnen mit Fragen, was sie bei diesem oder jenem Problem tun sollen oder welches Nahrungsergänzungsmittel sie jetzt nehmen sollen. Und es ist doch klar, dass alle Tipps, die ich weitergebe, auch jeden Tag so umgesetzt werden. Richtig? Nein, absolut nicht. Ja, ich mache viel von dem, was ich oben, hoffentlich humoristisch verpackt, geschrieben habe. Aber nein, mein Tag sieht nicht so aus und ich hoffe sehr, deiner auch nicht. Es gibt Phasen in meinem Leben, in denen ich mich mehr auf meine Gesundheit konzentriere, und dann darf es auch mal einfach Spaß machen, weil das genauso zum Leben dazugehört. Es kommt immer wieder vor, dass Freunde fragen, ob wir auf 1-2 Bier gehen. Ich weise dann immer freundlich darauf hin, dass man „12“ ohne Bindestrich schreibt. Wenn ich dann in ein Restaurant gehe, bestelle ich sicher nicht den Salat und bringe mein eigenes Dressing mit. Ich bestelle den doppelten Cheeseburger mit extra Bacon und trinke dazu, was ich will und so viel ich davon will. Ich laufe dann auch nicht am Abend mit meiner Bluelight-Blocker-Brille herum oder achte darauf, vor 12 im Bett zu sein. Manchmal darf man sich auch einfach was gönnen und seine Bedürfnisse sofort befriedigen.

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