Der Dunning-Kruger-Effekt

Der Dunning-Kruger-Effekt Patrick Ehrenberger / 19. November 2025 / Allgemein Nach meiner kPNI-Ausbildung dachte ich ernsthaft, ich hab das Spiel durchgespielt. Ich war überzeugt, alles zu wissen. Ich stand ganz oben auf Mount Stupid. Der Begriff kommt vom Dunning-Kruger-Effekt. Zwei Psychologen – David Dunning und Justin Kruger haben untersucht, wie Menschen ihr eigenes Wissen einschätzen. Das Ergebnis: Die, die am wenigsten wissen, sind oft am überzeugtesten. Und je mehr du wirklich lernst, desto bewusster wird dir, wie wenig du weißt. Warum Idioten oft so ueberzeugt von sich sind? Am Anfang lernst du ein bisschen, verstehst ein paar Zusammenhänge – und plötzlich denkst du, du bist allwissend. Du erzählst jedem, wie’s läuft, und hast das Gefühl, du hast das Universum durchschaut. In Wirklichkeit kratzt du gerade erst an der Oberfläche. Das ist der Aufstieg auf Mount Stupid. Die Aussicht ist dort oben traumhaft – weil du bequem auf all die „Nichtwissenden“ hinunterschauen kannst. Reflexion und kritisches Denken sind oben übrigens ausverkauft. Dann kommt der unvermeidbare Absturz ins Tal der Verzweiflung. Du begreifst, wie komplex alles wirklich ist, und zweifelst plötzlich an allem. Paradoxerweise weißt du in dieser Phase mehr als je zuvor, aber dein Selbstvertrauen ist im Keller. Bleibst du dran, lernst Demut, und landest irgendwann auf dem Plateau der nachhaltigen Erkenntnis. Dort wird’s ruhiger. Du kannst einfach sagen: „Ich weiß es nicht.“ Warum reagieren wir eigentlich so positiv auf Bullshit? Wir Menschen sind nicht auf Wissen programmiert, sondern auf Sicherheit. Sicherheit heißt: einfache Antworten, klare Schuldige, schnelle Lösungen. Komplexität macht Angst – und Angst sucht Halt. Wenn uns jemand eine simple Geschichte liefert („So ist es und nicht anders“), greift unser Gehirn sofort zu. Social Media verstärkt das massiv: Kurze Clips, große Behauptungen, keine Einordnung. Halbwissen wird gefeiert, echte Expertise ist zu langsam für den Algorithmus. Mount Stupid ist leicht erreichbar. Echte Kompetenz ist mühsam, manchmal langweilig und selten sexy. Darum rennen so viele freiwillig den schnellen Weg rauf – und haben keine Ahnung, wie weit sie von echter Expertise entfernt sind. Woran du Bullshit erkennst Wenn ein Video beginnt mit „Dein Arzt will nicht, dass du das weißt“ oder„Arzt packt aus: Die Wahrheit über XY“ ,dann kannst du dir den Rest eigentlich sparen. Das ist zu 99 % Geschwurbel, Clickbait und Supplement-Werbung. Und ganz ehrlich: Wenn dir jemand weismachen will, dass nur diese eine Person, diese eine Gruppe oder diese eine Ausbildung eine exklusive Wahrheit kennt, dann kannst du zu ziemlich sicher davon ausgehen, dass genau das Gegenteil stimmt. Und ja – ein akademischer Titel schützt nicht vor Blödsinn. Es gibt genug Ärztinnen oder Professorinnen, die wissenschaftlich komplett danebenliegen. Und genauso gibt’s Menschen ohne Studium, die extrem gutes Wissen teilen, weil sie sich reingraben und kritisch bleiben. Das soll kein Bashing gegen eine Profession sein – es soll lediglich das Argument untermauern, selbst nachzudenkenund Quellen zu checken. Das Internet ist Fluch und Segen gleichzeitig: Noch nie war Wissen so leicht zugänglich und noch nie war kritisches Denken so selten. Anti-Mount-Stupid-Strategie Wenn du heute irgendetwas wirklich verstehen willst, brauchst du im Grunde nur vier Dinge: Demut– akzeptiere, dass du wenig weißt. Das ist kein Mangel, das ist der Startpunkt. Geduld & Aufmerksamkeitsspanne– echte Kompetenz braucht Zeit. Konsumieren ist nicht Lernen. Gute Quellen + Menschen, die dir widersprechen– Meta-Analysen, RCTs, Diskussionen, Gegenargumente. Nicht nur ein Influencer. Reflexion & Anwendung– Wissen ist wertlos, wenn du es nicht prüfst, hinterfragst und in die Praxis bringst. Das ist die Anti-Mount-Stupid-Route.Langsam, mühsam, aber nachhaltig. Mein Beispiel: Wenn du glaubst, du hast es verstanden hast du es wahrscheinlich nicht verstanden. Konkretes Beispiel von mir zum Thema Ernährung: Früher hab ich Patientinnen, Freundinnen, Kolleg*innen und halben Fremden auf der Straße stundenlang vorgepredigt, was alles „schlecht“ ist: Gluten, Milch, Zucker, Lektine, Omega-6, was auch immer gerade Trend war. Ich habe mit Begriffen um mich geworfen wie Dipeptidylpeptidase-4, Delta-6-Desaturase oder 5-Lipoxygenase einfach, um klug zu wirken. Ich hätte genauso gut vom „mitochondrialen Ninja-Pathway“ reden können, es wäre bei den Leuten genau gleich angekommen. Heute muss ich drüber lachen. Wenn du mich jetzt fragst, was bei Ernähung wirklich zählt, sag ich: Schau auf deine Proteine (1,5–1,8 g pro kg Körpergewicht). Iss genug Ballaststoffe (ca. 35 g pro Tag). Halte deine Kalorien im Griff. Das ist simpel. So simpel, dass es fast enttäuschend ist. Aber die großen Hebel sind selten kompliziert. Natürlich gibt’s individuelle Unterschiede. Natürlich spielen Mikronährstoffe, Schlaf, Stress, Hormone, Psyche usw. eine Rolle. Aber die Basics bleiben die Basics. Und ja: In fünf Jahren werde ich wieder etwas dazugelernt haben und manches anders sehen. Das ist kein Rückschritt. Das ist Wachstum! Der wichtigste Satz! „Ich weiß es nicht“ ist einer der mächtigsten Sätze, die ein Mensch sagen kann. Nicht, weil er Schwäche zeigt, sondern weil er Türen öffnet. „Ich weiß es“ verschließt sie. Die meisten Diskussionen scheitern nicht an Unwissen, sondern daran, dass alle ihr Ego steuern lassen statt ihr Hirn. Wenn wir öfter sagen würden „Keine Ahnung, lass uns nachschauen“,wären wir alle weiter. Und deutlich weniger oft auf Mount Stupid. Und genau hier passt ein Satz von Adam Grant, mit dem ich oft meine Seminare eröffne. Er bringt’s perfekt auf den Punkt: „Das am meisten unterschätzte Instrument der Überzeugung ist Neugier. Eine natürliche Reaktion auf Meinungsverschiedenheiten besteht darin, die Meinung anderer anzugreifen. Eine einladendere Alternative besteht darin, sich wirklich von ihrer Denkweise faszinieren zu lassen. Neugier ist ansteckend. Wenn Verteidigung den Geist verschließt, kann Nachforschung ihn öffnen.“ Das ist im Grunde die Anti-Mount-Stupid-Haltung in einem Satz. Nicht verschanzen, nicht verteidigen, nicht besser wissen wollen:einfach neugierig bleiben. PS: Wenn du mit mir auf den nächsten Gipfel willst – sag vorher Bescheid. Ich hab mein Zelt noch vom letzten Mal oben stehen. Post Tags : Dunning Kruger Effekt , Gesundheit Share : Team FAQs Kontakt Blog Facebook-f Icon-instagram-1 Linkedin Copyright © 2025 Humanimal Datenschutzerklärung Impressum
Feuer!

Feuer! Manuel Bohn / 7. August 2025 / Flow Lehn dich zurück und mach es dir bequem, ich will dir eine Geschichte erzählen… Vor Jahren sah ich ein YouTube Video in dem ein Mann mit einem primitiven FeuerbohrSet ein Reibungsfeuer entfacht. Und so hat alles begonnen… Plötzlich war ich inspiriert und wollte das auch mal ausprobieren. Ich ging in den Wald und begann, nach passenden Hölzern zu suchen. Aber was sind passende Hölzer? Dick oder dünn? Wie lange müssen sie sein? Wie trocken? Wie hart? Eine Kaskade von Fragen wurde losgelöst. Ich begann zu experimentieren, schnitzte und bastelte mir mein erstes Feuerbohrer-Set und startete meinen ersten Versuch. Wie soll das denn funktionieren? Fühlt sich nicht richtig an? Boah ist das anstrengend…am Video hat das um vieles leichter ausgesehen. Ich war überrascht, wie schwierig und kompliziert es sich anspürte. Ungeachtet der Anstrengung war ich so fasziniert von dem Gedanken und dem Wissen, dass das möglich ist, dass ich weiter und weiter versuchte, korrigierte, bastelte, versuchte. Tagelang lies mich das nicht los. Eines Tages erzählte ich meinem Bruder davon. Auch er wurde inspiriert und begann herumzuprobieren. In den Wochen darauf waren wir beide wie besessen von dem Gedanken, dieses “Feuermachen” zu lernen. Wir tauschten uns aus, schickten uns kleine Erfolgsmeldungen: es hat geraucht! es hat schon gequalmt! Aber es wollte nicht und nicht klappen. Wie zwei begeisterte Kinder waren wir – beide eigentlich knapp 30. Nach wochenlangem hin und her gingen wir dann eines Tages bei einem Spaziergang im Süden Wiens in eine Höhle. Es war ein kalter windiger Wintertag. Leichter Eisregen. Natürlich hatten wir auch beide unser Feuerbohrerset dabei. Also begannen wir wieder mit unserem Spiel. Aber diesmal war etwas anders. Wir waren zu zweit. Wir waren ein Team quasi. Wir halfen uns gegenseitig, gaben uns Tipps. Korrigierten den Winkel von der Hand oder unterstützten beim Ermüden. Immer wenn der eine ermüdete und nicht mehr konnte, begann der Andere zu motivieren, übernahm dann und so wechselten wir hin und her. Es rauchte… Es qualmte… Wir wurden aufgeregter…schneller…hektischer “Weiter! Komm schon! Es raucht…weiter!” Aber wir konnte nicht mehr und stoppten. Setzten uns zurück. Der Qualm war weg. Doch da: ein dünner Rauchfaden zeigte sich. Wir lehnten uns heran. Der Geruch stieg uns beißend in die Nase. Wir schauten ganz genau hin. Und da sahen wir einen winzigen Glutpunkt im Abrieb des Feuerbohrers. Wie aufgehetzt – aufgeregt und ausgepumpt nahmen wir das (vorbereitete!) Zundernest und leerten ganz vorsichtig zittrig dieses Pünktchen Glut ins Nest. Wieder nichts – wir trauten uns kaum zu Atmen Doch es begann wieder ganz leicht zu rauchen Es wurde stärker Und dann plötzlich entfachte sich das trockene Zunderbündel mit Feuer! Wir haben Feuer gemacht! Die Freude und die Begeisterung nach all den Mühen war ungehalten. Ich werde diesen Moment mein Leben lang mit mir tragen. Die gemeinsame Freude und die Faszination! Mir kamen fast die Tränen. Bis heute – mehr als 10 Jahre später – bin ich begeistert von dieser Geschichte. Inzwischen hab ich viele Menschen dabei beobachtet und begleitet, wie sie ihr erstes eigenes Feuer auf diese Art bohren. Und die Magie ist unverändert. Obwohl niemand von uns diese primitive Methode mehr braucht. Aber sie ist magisch – sie verbindet uns mit unserem Feuerhüter-Dasein als Menschen. Seit mindestens 300.000 Jahren. Aber immer neue Funde lassen eine noch viel längere Symbiose vermuten…es gibt Feuerstellen, die über 1 Mio. Jahre alt sind. 1.000.000 Mio Jahre. Das sind etwa 76.000 Menschengenerationen. 76.000 Menschengenerationen lang gemeinsam am Feuer! Wir Menschen sind mit dem Feuer verbunden. Nicht nur weil wir die einzige Spezies sind, die Feuer hüten und scheinbar willkürlich kontrollieren können. Vielleicht hat uns das Feuer auch zu dem gemacht was wir sind. Was hat sich durch das Hüten des Feuers verändert – verglichen mit der Zeit ohne Feuerhüten? Plötzlich gab es einen Platz, der uns ein höchstmaß an Sicherheit und Komfort bieten konnte. Ein Platz, um den wir uns versammeln konnten und zu dem wir wieder und wieder zurückkehren konnten. Ein Anker für unsere Aufmerksamkeit – wir konnten wegwandern und dennoch das Bewusstsein bei diesem Ort halten. Wir begannen, zu wandern UM diesen Ort zu halten – ihn mit Holz zu versorgen um das Feuer am Leben zu halten. Was wenn das ein Teil unseres Wesenskerns wurde – die Fähigkeit, ein Ziel im Auge zu behalten, dass abstrakt ist – nicht mit den Sinnen wahrnehmbar ist auch heute Teil jeder guten Performance-Coaching Session. Die Fähigkeit, einen Fokuspunkt im Blick zu halten und sich nicht ablenken zu lassen, wie wir es fast universell bei Menschen vor Adventkränzen, Lagerfeuern oder Kerzen im Dunklen sehen können (oder auch den künstlichen Feuern in unseren Hosentaschen), ist magisch anziehend und Teil jeder guten Meditationssession. Geschichten zu erzählen und guten Geschichten aufmerksam zu lauschen ist für 76.000! Generationen Teil unserer Überlebensstrategie gewesen. So haben wir gelernt, was wir Einzeln nie erfahren konnten. So hat sich unsere Weltverständnis exponentiell beschleunigt. Und auch heute gibt’s immer mehr Evidenz dafür, dass wir durch Narrative um bis zu 70% mehr Information behalten als durch bloße Fakten. Und wenn wir schon dabei sind: Selbst in der griechischen Mythologie ist Mensch und Feuer untrennbar verbunden durch die Geschichte von Prometheus (der Vorausschauende) der die Menschen miterschaffen und gelehrt hat…schon spannend, das grade der Kerl das Feuer zu uns gebracht haben soll. Feuer geht tief hinein in unseren Wesenskern. Feuer inspiriert Wir entfachen Inspiration Sehen das Feuer in den Augen wir haben das Feuer verloren Wir brennen für eine Sache schätzen Menschliche Wärme Auch biochemisch sind wir in jeder Zelle Feuer: Feuer ist Oxitation – Beim Verbrennen verbindet sich Kohlenstoff mit Sauerstoff. Wie war das nochmal mit der Zelle und den Mitochondrien? Ist Feuer immer noch wichtig für unsere Gesundheit? JA Infrarotstrahlung im Feuer ist gesundheitsfördernd Das rote Lichtspektrum des Feuers (v.a. abends) ist gesundheitsfördernd Achtsamkeitstraining Konzentration in die Flammen – ist gesundheitsfördernd Geschichten empatisch hören ist gesundheitsfördernd Die eigenen Erlebnisse zu teilen ist gesundheitsfördernd Sich auf den Boden zu setzen und wieder aufzustehen ist gesundheitsfördernd Ressourcenschonendes verhalten ist gesundheitsfördernd